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Was sind eigentlich Neobiota?

Kurz gesagt: eingewanderte, gebietsfremde Arten. Sie breiten sich zum Teil rasant aus und bedrohen die heimische Artenvielfalt, deren Lebensräume und können auch ein Problem für den Menschen werden.

Japanischer Staudenknöterich in Blüte
Neophyten sind mittlerweile im gesamten Naturland anzutreffen.

Das heutige Artenspektrum von Tieren und Pflanzen in Österreich hat sich seit der letzten Eiszeit entwickelt und blieb trotz intensiverer menschlicher Landnutzung über viele Jahrhunderte hinweg weitgehend stabil. Unter dem Begriff Neobiota versteht man alle nicht heimischen Lebewesen wie Pflanzen, Tiere, Pilze oder Mikroorganismen, die durch menschliche Aktivitäten nach Österreich gelangt sind. Als Referenzzeitpunkt gilt dabei das Jahr 1492, da seit der Entdeckung Amerikas verstärkt weltweite Handels- und Verkehrswege entstanden sind.

Ohne menschliche Hilfe hätten diese Arten die Ausbreitung in neue Gebiete nicht geschafft. Die Einschleppung erfolgte teils absichtlich – etwa als Zier- oder Nutzpflanze, als Haustier, zur Pelzgewinnung oder für die Ernährung –, teils aber auch unbeabsichtigt, beispielsweise durch Samen an Waren, Schädlinge in Transportgütern oder Organismen im Ballastwasser von Schiffen.

Warum können Neobiota ein Problem darstellen?

Von invasiven Neobiota spricht man dann, wenn sich diese gebietsfremden Arten in der neuen Umgebung so stark ausbreiten, dass sie negative Auswirkungen auf heimische Arten und Lebensräume haben.

Rund 10 % der Neobiota schaffen es sich zu etablieren (das heißt sie sind bereits länger als 25 Jahre oder mehr als drei Generationen lang in einem Gebiet), wiederum 10 % davon verursachen schwerwiegende Probleme. Solche invasiven Neobiota verdrängen heimische Tier- und Pflanzenarten und haben z.T. negative Auswirkungen auf die von ihnen besiedelten Lebensräume. In Österreich sind bislang rund 2.000 eingewanderte Arten bekannt. Rund 40 Arten werden als invasiv eingestuft (sie werden offiziell überwacht und bekämpft), das heißt sie verursachen ökologische und wirtschaftliche Schäden. Einige sind für Menschen gesundheitsgefährdend.

Auch EU-weit ist dieses Problem bekannt, seit 2015 gibt es die IAS-Verordnung (IAS= Invasive Alien Species) – diese führt aktuell 114 invasive Arten auf, rund 40 (21 Pflanzen und 19 Tierarten) kommen auch in Österreich vor. Manche Arten, die in Österreich aktuell bereits Probleme verursachen (z.B. Robinie, Goldrute) stehen allerdings nicht auf der EU-weiten Liste.

Neophyten auf dem Vormarsch

Viele gebietsfremde Pflanzenarten wurden ursprünglich gezielt als Zier- oder Nutzpflanzen nach Österreich eingeführt. Über Ausläufer (Rhizome), Samenverbreitung und auch durch unsachgemäß entsorgte Gartenabfälle gelangten sie schließlich in natürliche Lebensräume. Nur ein kleiner Teil dieser Arten konnte sich dauerhaft etablieren und invasiv werden. Dennoch ist aufgrund des zunehmenden internationalen Handels sowie der Klimaerwärmung künftig mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen.

Ein besonders weit verbreitetes Beispiel ist der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica), der einst aus Asien zur Gartengestaltung nach Europa gebracht wurde. Dank seiner hohen Anpassungsfähigkeit und seines enormen Vermehrungspotenzials – selbst kleinste Wurzel- oder Sprossstücke können neue Pflanzen bilden – breitet er sich rasch aus und verdrängt die ursprüngliche Vegetation vollständig.

Vor allem entlang von Gewässern entstehen dichte Bestände, die problematisch sind, da die oberirdischen Pflanzenteile im Winter absterben und somit der natürliche Erosionsschutz fehlt. Zudem können Wurzeln und Stängel bauliche Strukturen wie Uferbefestigungen oder Mauern beschädigen. Die Bekämpfung ist äußerst aufwendig: Häufig müssen große Bodenmengen entfernt oder die Pflanzen über Jahre hinweg mehrmals jährlich gemäht werden. Eine sichere Entsorgung ist nur durch fachgerechte Kompostierung möglich, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.

Riesen-Bärenklau in Blüte
Der Riesen-Bärenklau kann bei Sonnenschein bei Berührung schwere Hautreaktionen auslösen.

Ähnliche Herausforderungen stellen das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) und der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) dar. Beide Arten bevorzugen feuchte Standorte, breiten sich schnell aus und bilden dichte Bestände, die heimische Arten zurückdrängen und den Erosionsschutz beeinträchtigen. Entscheidend ist hier, die Samenbildung durch rechtzeitiges Mähen zu unterbinden. Beim Umgang mit dem Riesen-Bärenklau ist besondere Vorsicht geboten, da seine Inhaltsstoffe in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautreaktionen hervorrufen können.

Auch für die menschliche Gesundheit können invasive Pflanzen problematisch sein. Ein bekanntes Beispiel und eigentlich DER Klassiker in NÖ ist das aus Nordamerika stammende Beifuß-Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), auch Ragweed genannt. Es wächst vor allem an Straßenrändern, Äckern und auch Brach- und Schotterflächen, vor allem im trockenen und warmen Klima im Osten Niederösterreichs. Es breitet sich nach wie vor weiter aus. Seine Pollen können starke Allergien und Asthma auslösen. Die wirksamste Maßnahme besteht darin, die Pflanzen frühzeitig samt Wurzel zu entfernen, bevor sie zu blühen beginnen.

Der Götterbaum (Ailanthus altissima) ist ein rasch wachsender Baum mit gefiederten Blättern und einem markanten, unangenehmen Geruch. Er kann Höhen von bis zu 25 Metern erreichen und bevorzugt sonnige Standorte. Ursprünglich als Zierpflanze eingeführt, erweist er sich als äußerst anpassungsfähig und besiedelt unterschiedlichste Lebensräume, darunter Brachflächen, Böschungen und Straßenränder. Durch sein starkes Wachstum verdrängt er heimische Baumarten und breitet sich sowohl über Samen als auch durch Wurzelausläufer schnell aus. Dadurch beeinträchtigt er Pflanzen- und Bodengemeinschaften und stellt insbesondere für seltene und endemische Arten eine Bedrohung dar.

Die Robinie (Robinia pseudoacacia) ist ein rasch wachsender Laubbaum mit gefiederten Blättern und auffälligen, weißen Blütentrauben. Der Baum stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde zur Gartengestaltung eingeführt nach Europa. Sie hat wenig Ansprüche und wächst auch auf nährstoffarmen Böden. Sie kann Stickstoff im Boden anreichern, wodurch sich die Bodenverhältnisse verändern. Das wiederum ist ein Problem für spezialisierte heimische Arten. Sie verbreitet sich sowohl durch Samen als auch durch Wurzelausläufer. Die Robinie kann ganze Wälder dominieren und verändern.

Stechapfel mit Frucht
Der Stechapfel ist stark giftig, in der Landwirtschaft sorgt er oft für Probleme.

Der Stechapfel (Datura stramonium) ist eine einjährige krautige Pflanze mit großen, gezackten Blättern und auffälligen, weißen bis violetten, trichterförmigen Blüten. Er wurde unabsichtlich eingeschleppt und hat sich in Europa stark ausgebreitet. Seinen Ursprung hat er in Mittel- und Nordamerika. Er wächst auf nährstoffreichen Böden – vor allem auf Äckern, Brachflächen, Wegrändern oder auf Baustellen. Stechapfel vermehrt sich ausschließlich über Samen, die in charakteristischen, stacheligen Kapseln reifen. Sie bleiben im Boden lange keimfähig, wodurch die Bekämpfung schwierig ist. Er wächst sehr rasch und verdrängt dadurch andere Arten. Alle Pflanzenteile sind stark giftig – eine Gefahr für Mensch und Tier. Vor allem in der Landwirtschaft stellt der Stechapfel häufig ein Problem dar.

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit aufrechten Stängeln und zahlreichen kleinen, gelben Blüten, die in dichten Rispen angeordnet sind. Sie wurde als Zierpflanze eingeführt und hat sich inzwischen stark verbreitet. Die Art bevorzugt sonnige Standorte wie Wiesen, Brachflächen und Straßenränder. Durch ihr dichtes Wachstum bildet sie oft großflächige Bestände, die heimische Pflanzenarten verdrängen und die Artenvielfalt reduzieren.

Die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) ähnelt der Kanadischen Goldrute, wird jedoch meistens höher und besitzt glattere, oft rötlich gefärbte Stängel. Auch sie stammt aus Nordamerika und wurde als Zierpflanze eingeführt. Sie ist besonders konkurrenzstark und breitet sich sowohl über Samen als auch über unterirdische Ausläufer rasch aus. Dadurch bildet sie dichte Bestände, die einheimische Pflanzenarten zurückdrängen und Lebensräume verändern.

Kirschlorbeer in Blüte
Der Kirschlorbeer ist aktuell eine sehr beliebte Heckenpflanze - vielleicht auch der nächste Neophyt?

Kirschlorbeer – ein weiteres „Problemkind“?

Prunus laurocerasus – der Kirschlorbeer – ist eine sehr beliebte Heckenpflanze! Ein immergrüner Strauch mit großen, glänzenden Blättern und weißen Blütenständen. Sie stammt ursprünglich aus Südosteuropa und Vorderasien. Sie ist anspruchslos und wächst rasch, daher fasst sie auch schnell an Waldrändern oder in Wäldern Fuß. Sie bildet dichte Bestände, lässt kaum Licht bis zum Boden durch und schränkt damit das Pflanzenwachstum heimischer Arten stark ein. Kirschlorbeer vermehrt sich einerseits durch die Samen, die vor allem durch Vögel verbreitet werden, aber auch vegetativ – also einzelne Pflanzenteile treiben wieder aus. Die Teile der Pflanze sind allesamt giftig.

Was können Sie gegen Neobiota tun?

Um die heimische Biodiversität zu schützen, ist es wichtig, die Ausbreitung invasiver Arten zu begrenzen. Dabei kann jede und jeder einen Beitrag leisten:

  • Informieren Sie sich über invasive Arten in Ihrer Region, um diese frühzeitig zu erkennen.
  • Verzichten Sie auf invasive Pflanzen im Garten, auch wenn sie optisch ansprechend sind.
  • Beobachten Sie Bestände aufmerksam und handeln Sie bei Bedarf: Entfernen Sie invasive Arten, sofern erlaubt, und entsorgen Sie diese fachgerecht. Privatpersonen können Neophyten über die Biotonne entsorgen. Vor allem Pflanzen, die sich vegetativ vermehren, keinesfalls kompostieren. Nach der Samenbildung/Blüte bzw. sich vegetativ vermehrende Pflanzen so zum Umweltverband/Werkstoffzentrum in der Nähe transportieren, dass sie sie nicht weiter ausbreiten können (in einem Sack, Anhänger mit Plane, etc.). 
  • Bitte beachten Sie Schutzmaßnahmen – je nach Pflanzenart sind Handschuhe, Schutzkleidung und Atemmaske zu empfohlen!
  • Verdächtige Vorkommen können bei der zuständigen Gemeinde oder Naturschutzbehörde gemeldet werden. Beachten Sie, dass das Aussetzen gebietsfremder Arten gesetzlich verboten ist. In Hinblick auf Umgang im Transport und die sachgemäße Verwertung des Pflanzenmaterials, stehen wenden Sie sich an Eva Müller oder Johannes Mayerhofer von der Abteilung Umwelt- und Energiewirtschaft, Abfallwirtschaft und Ressourcenschonung.
  • Tauschen Sie sich mit anderen aus – Wissen und Zusammenarbeit fördern wirksame Maßnahmen.
  • Engagieren Sie sich bei lokalen Aktionen wie Pflegeeinsätzen oder Flurreinigungen und melden Sie Beobachtungen.

Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Vielfalt und Stabilität unserer natürlichen Lebensräume zu erhalten und die weitere Ausbreitung invasiver Arten einzudämmen.

Bei der Initiative "Klimafit" finden Sie passende Grafiken zu Ragweed, Riesen-Bärenklau und Staudenknöterich.