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NÖ zeigt europäischer Delegation wie man Ökostrom-Lokomotive wird

Eine Delegation aus sechs Ländern besucht drei Energie-Forschungsprojekte in Niederösterreich – 160.000 PV-Anlagen produzieren 3,3 GWh sauberen Strom.

Die Delegation in Grafenwörth.
Die Delegation des Projektes "BiodIvErSe" in Grafenwörth.

Niederösterreich zählt zur europäischen Spitze, wenn es um den Ausbau erneuerbarer Energie geht. Seit 2015 deckt Niederösterreich bilanziell 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie, sicher und sauber aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Eine 40-köpfige Delegation aus sechs Ländern, darunter etwa Griechenland, Polen, Deutschland und Bosnien & Herzegowina, besuchten für zwei Tage mehrere Projekte, darunter die schwimmende PV-Anlage in Grafenwörth, die Apfelplantage in Pöchlarn sowie die PV-Sonneninsel in Zwentendorf.

„Tschernobyl machte vor 40 Jahren die Gefahren der Atomkraft für ganz Europa deutlich. Während andere trotzdem auch heute noch an der Atomkraft festhalten wollen, gehen wir für Land und Leute einen sicheren Weg. Niederösterreich zeigt vor, dass es auch anders geht, wir sind die Ökostrom-Lokomotive Österreichs mit rund 160.000 Photovoltaikanlagen. Wir wollen unsere Heimat weiter unabhängig von fossilen Energieimporten machen und unsere Versorgungssicherheit stärken“, so LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Die schwimmende PV-Anlage von Grafenwörth.
Die schwimmende PV-Anlage von Grafenwörth ist ein Vorzeigeprojekt für naturverträgliche Energiewende.

Zwentendorf hat Altlastendeponie umfunktioniert

Im Fokus der Fachexkursion standen innovative Anlagen, die auf eine Mehrfachnutzung von Boden abzielen. Ein Stopp war bei der schwimmenden PV-Anlage der EVN in Grafenwörth. Dort wurde auf rund 14 Hektar Wasserfläche die größte Floating-PV-Anlage Zentraleuropas mit 24.500 kWp und über 45.300 Modulen errichtet, die jährlich rund 7.500 Haushalte versorgt.

In Niederösterreich gibt es auch insgesamt elf PV-Sonneninsel-Projekte. Auf den beteiligten Flächen sind rund 8.800 kWp Leistung installiert. Eine davon ist in Zwentendorf: Auf einer 5.000 m² großen ehemaligen Altlastendeponie am östlichen Stadtrand wird eine 520 kWp PV-Anlage als Biodiversitäts- und Energiefläche genutzt. „Über einen Zeitraum von vier Jahren haben wir die Entwicklung der Biodiversität wissenschaftlich untersucht. Das Projekt hat gezeigt, dass mit der richtigen Planung, Umsetzung und Pflege mehr Artenvielfalt in Freiflächen-PV-Anlagen möglich ist“, so Jasmine Bachmann, Bereichsleiterin der Natur in der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich (eNu).

Eine Gruppe von fachkundigen Menschen unterhält sich über eine Photovoltaikanlage, die auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche steht.
Justus Scheiblauer von der RWA erklärt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Öko-Solar-Biotop-Anlage in Pöchlarn.

Apfelplantage mit PV-Modulen wächst unter wissenschaftlicher Beobachtung

Beim Öko-Solar-Biotop Pöchlarn handelt es sich um ein Pilotprojekt von RWA Solar Solutions auf rund 900 Quadratmeter mit 300 Bäumen. „Ziel des Projekts ist es, ein nachhaltiges Grünflächenmanagement für Freiflächen-PV-Anlagen zu entwickeln und zu zeigen, wie sich Energieproduktion, Biodiversität, Bodenschutz und landwirtschaftliche Nutzung sinnvoll kombinieren lassen“, so Justus Scheiblauer von der RWA.

Die BOKU Wien entwickelte das Begrünungs- und Pflegekonzept und übernimmt das Monitoring.

Die endgültigen Ergebnisse des Projekts sollen noch heuer folgen. Vorab zeichnet sich schon ab: „Im Projektgebiet wurden mindestens sieben Schmetterlingsarten beobachtet. Außerdem gab es Wildbienen, Schwebfliegen, Libellen, Grashüpfer, Feldhasen und vereinzelt Rebhühner“, so Michael Obriejetan von der BOKU Wien und weiter „Laut den bisherigen Auswertungen sind keine Unterschiede bei den Ertragsleistung zwischen PV-Fläche und Referenzfläche ohne PV zu erkennen.“ Somit zeige sich, die landwirtschaftliche Nutzung und PV-Anlagen gehen Hand in Hand.

Insgesamt sind 10.044 PV-Module mit einer Gesamtleistung von knapp 4.100 kWp installiert, die einen nahegelegenen Betrieb versorgen.

BiodIvErSe Projektlogo

Internationales Fachtreffen in St. Pölten

Am ersten Tag stand im St. Pöltner St. Hippolyt Haus eine Fachtagung mit rund 40 Expertinnen und Experten aus ganz Europa im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden unter anderem das Projekt „PV-Sonneninseln“ von der eNu, das Projekt „Bio-PV“ der BOKU, die Agri-PV-Anlage „EWS Sonnenfeld“ des Energieparks Bruck an der Leitha, die Kombination von Beerenobst mit PV-Paneelen von Familie Wurzer in Bodensdorf bei Wieselburg. Koordiniert wird die internationale Zusammenarbeit durch die Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) sowie durch das Land Niederösterreich.