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Aus der Praxis: Öko-Solar-Biotop Pöchlarn

Wie Photovoltaik und Biodiversität im Öko-Solar-Biotop Pöchlarn Energieerzeugung und Natur durch Äpfel vereint.

Apfelbaum-Plantage unter einer PV-Anlage
In Kooperation mit der Firma Frutura wird unter der PV-Anlage der Anbau von Apfelbäumen getestet.

Steckbrief zur Anlage

  • Name der Anlage: Öko-Solar-Biotop Pöchlarn
  • Ort: 3380 Pöchlarn, Raiffeisenstraße 3
  • Betreiber: RWA Raiffeisen Ware Austria AG 
  • Multifunktionale Anlagenart: Agri-PV 
  • Anlagengröße (in m2 oder ha): 800 m²
  • Installierte Leistung in kWp: 41,50 kWp

Technische Beschreibung der Anlage

Auf einer Gesamtfläche von ca. 5 ha sind am Gebiet ca. 4 MWp Modulleistung verbaut.  Neben dem mit Schafen beweideten größten Teil der Anlage gibt es einige kleiner Anlagenteile, die zu Studien- und Forschungszwecken errichtet wurden. 

Für diese Anlagenteile wurden zwei Huawei-Wechselrichter mit Gesamt 310 kW AC-Leistung verbaut. Auf der vorgestellten Fläche sind 350 semi-transparente Module mit jeweils 260 Wp Leistung in Ost-West-Ausrichtung in 3,4 m Höhe errichtet. 

Zusätzlich sind eine Vielzahl Sensoren an unterschiedlichen Stellen der Anlage montiert um Wetterverhältnisse in die Analysen berücksichtigen zu können.

Der erzeugte Strom wird in unmittelbarer Umgebung im Werk der Garant genutzt. Am Werksgelände wird auch ein Speicher betrieben, wodurch die Eigenverbrauchsquote am Standort weiter erhöht wird. Alle weiteren produzierten Strommengen die nicht am Standort verwendet werden können werden in das Netz eingespeist.

Die Agri-PV-Anlage in Pöchlarn in der Vogelperspektive
Die Größe der Agri-PV-Anlage beträgt insgesamt 800 Quadratmeter.

Innovationskraft der Anlage 

Zum Einsatz kommen spezielle lichtdurchlässige Agri-PV-Module, die nicht nur Strom erzeugen, sondern auch optimale Lichtverhältnisse für das Pflanzenwachstum schaffen. Gleichzeitig bieten sie Schutz vor extremen Wetterereignissen wie Hagel, Starkregen oder starker Sonneneinstrahlung und verbessern die Arbeitsbedingungen auf dem Feld.

Auf der vorgestellten Fläche wird in einer Kooperation mit der Firma Frutura der Anbau von Apfelbäumen getestet, und mit einer ebenfalls auf derselben Bodenparzelle befindlichen Referenzfläche verglichen. 

Im ersten relevanten Vergleichsjahr 2024 stellte sich die Agri-PV-Anlage als erheblicher Mehrwert dar: Der Ertrag der Apfelsorte „Sommernachtstraum“ lag mit 5,93kg/Baum über den 3,78kg/Baum der Referenzfläche, bei der Apfelsorte „Gala“ mit 12,91 kg/Baum signifikant über den 4,13kg/Baum der Referenzfläche. 

Als Grund für den signifikanten Unterschied wurde ein Spätfrost-Ereignis im April ausgemacht. Die Bäume unter der Agri-PV-Anlage waren durch die, im Winter, etwas höheren Temperaturen unter den Modulen vor dem Frost, und dem damit einhergehenden Ertragsverlust geschützt.

Beschreibung der Umweltfaktoren der PV-Anlage

Das „Öko-Solar-Biotop Pöchlarn“ gliedert sich in zwei Bereiche. Auf 90 Prozent der Fläche stehen Paneele mit Südausrichtung und fixer Neigung. Der Boden darunter wurde mit einer artenreichen Saatgutmischung begrünt und die gesamte Anlage mit einer Biodiversitätshecke umrandet, dadurch wird Lebensraum für Insekten, Vögel, Schmetterlinge, Amphibien und Kleinsäuger geschaffen. Diese Biodiversitätsfläche wird von der Universität für Bodenkultur wissenschaftlich über die nächsten Jahre hinweg evaluiert.

Auf der vorgestellten Fläche bleibt die landwirtschaftliche Nutzung dank einer Durchfahrtshöhe von über 3 Meter uneingeschränkt möglich. Für die Gründung kamen Rammprofile zum Einsatz –um eine Bodenversiegelung zu vermeiden. Ausreichende Modulabstände sorgen zusätzlich für eine natürliche Versickerung des Regenwassers.