Aus der Praxis: FPV Grafenwörth
Floating-Photovoltaik in Grafenwörth: Eine schwimmende PV-Anlage zeigt, wie erneuerbare Energie, Gewässerschutz und Biodiversität zusammenspielen.
Steckbrief zur Anlage
- Name der Anlage: FPV Grafenwörth
- Ort: 3484 Grafenwörth
- Betreiber: EVN Naturkraft GmbH
- Multifunktionale Anlagenart: Schwimmende PV
- Anlagengröße (in m2 oder ha): 14 ha
- Installierte Leistung in kWp: 24,5 MWp
Technische Beschreibung der Anlage
- 24,5 MWp Modulspitzenleistung, Ost-West-Ausrichtung
- 45.304 bifaziale Module: 540 Wp
- 158 Strangwechselrichter: 115 kVA, 800 VAC
- 10 Schwimmtransformatorstationen: 21/0.8 kV, 1800 kVA
- 20 kV Netzableitung ins UW Stratzdorf: ca. 7 km
- Belegte Wasseroberfläche: 13,9 ha (42 %)
- 26.700 MWh/a Jahreserzeugung
- Genehmigungsphase: 08/20 – 04/22
- Errichtungsphase: 10/22 – 02/23
Innovationskraft der Anlage
Der Ausbau von Photovoltaikanlagen ist ein wichtiger Beitrag für eine erneuerbare Energiezukunft. Eine große Herausforderung der Zukunft ist der Flächenverbrauch. Floating-PV-Anlagen, also schwimmende Photovoltaikanlagen, werden vor allem auch deshalb im Bereich der erneuerbaren Energieproduktion einen immer höheren Stellenwert bekommen. Sie bieten enorme Möglichkeiten für den weltweiten Ausbau der Solarenergie, insbesondere in Ländern mit begrenztem Flächenangebot.
Floating-PV-Anlagen bieten viele Vorteile:
- sinnvolle Nutzung von Schotterteichen anstelle von landwirtschaftlich genutzten Agrarflächen
- höhere Anlageneffizienz aufgrund der kühleren Temperatur über der Wasseroberfläche
- positiver Effekt, denn Verdunstung sowie Algenwachstum werden in Grundwasserteichen reduziert
- kompakte Bauweise mit rund 40 % geringerem Flächenbedarf im Vergleich zu Freiflächenanlagen
Das Bewilligungsverfahren für diese neue PV-Anwendung in Österreich konnte erfolgreich durchgeführt werden und ebnet so den Weg für weitere Projekte dieser Art in Österreich.
Überprüfung der Umweltfaktoren der PV-Anlage
In der Anlagenplanung wurden viele Maßnahmen umgesetzt, um die Auswirkungen auf Ökologie und Umwelt gering zu halten oder die Situation zu verbessern (Uferabstände, Auflagen bei Errichtung, Wiederherstellung der Arbeitsflächen).
Für die ersten fünf Betriebsjahre werden Monitoringberichte entsprechend den Bescheiden erstellt. Erst dann werden sich mittel- bis langfristige Auswirkungen zeigen. Eine Zusammenfassung des ersten Monitoringberichts (2024) zeigt folgende Ergebnisse.
Beschreibung der Wasserökologie
- deutliche Verbesserung der Trophie in Form von Nährstoffminderung in beiden Seen.
- See Nord jetzt oligotroph (vorher oligo-mesotroph),
- See Süd jetzt im oligo-mesotrophen Übergang (vorher eutroph)
- 2024 wurde eine vollständige Durchmischung bis zum Grund beobachtet; keine Verschlechterung der Sauerstoffverhältnisse gegenüber der Voruntersuchung.
- Fazit: Wasserqualität und trophische Situation haben sich verbessert; das ist aus Sicht des vorbeugenden Grundwasserschutzes positiv.
Beschreibung von Naturschutz, Land- und Wasserlebensräumen
- Landlebensräume: klare Aufwertung — mehr Strukturvielfalt für Reptilien, störungssensible Brutvögel profitieren von Einzäunung (z. B. Rohrweihe: von 1 auf 2 Brutpaare; Neuntöter: 4 Brutpaare).
- Libellen: Die Artenzahl sank zwar von 12 auf 10, Kontakte stiegen jedoch insgesamt
- (+42 %, v. a. wegen Gemeiner Becherjungfer); Kleinlibellen stabil/leicht steigend, viele Großlibellen – besonders am Südgewässer – rückläufig.
- Fledermäuse: hier zeigt sich ein Rückgang der Aktivität (besonders Myotis Arten); Mögliche Ursachen dafür könnten sein: eingeschränkte Jagdflächen, weniger Nahrung (durch trophische Verbesserung) und Meidung der PV Flächen. Verhaltensbeobachtungen im Oktober 2024 ergaben eine reduzierte Fledermausaktivität und Artenvielfalt im Vergleich zum Sommer 2020. Dies könnte saisonale Ursachen haben.
- Fazit: Landlebensräume haben sich verbessert; bei wassergebundenen Arten gemischte Entwicklungen (einige Arten/Größengruppen rückläufig). Weitere Monitorings sind geplant.
Gesamtbewertung
- Ökologische Wassergüte: verbessert.
- Biodiversität: gemischt — terrestrische Arten profitieren, einige aquatische/flugaktive Gruppen (Großlibellen, Haubentaucher, Fledermäuse) zeigen teils Rückgänge. Weiteres Monitoring geplant.