Zum Inhalt

Totholz: Lebensraum und Klimaschützer in unseren Wäldern

Ein Forschungsprojekt auf der BOKU University zeigt, dass Totholz ein unterschätzter Kohlenstoffspeicher ist.

Stehendes Totholz mit teils freier Rinde und zwei Baumschwämmen. Abgestorbener Baum steht scheinbar in Hanglage.
Totholz wird in Zeiten des Klimawandels als Kohlenstoffspeicher immer wichtiger.

Totholz in Form von abgestorbenen Bäumen, liegenden Stämmen und dicken Ästen lässt Wälder oft unordentlich und vernachlässigt erscheinen. Tatsächlich ist es aber ein unverzichtbarer Bestandteil naturnaher Wälder und spielt eine wichtige Rolle für Biodiversität, Bodenqualität und Klimaschutz – auch in Niederösterreich.

Totholz als Allrounder im Wald

Im Projekt DD FOR der BOKU University wurde schon gezeigt, dass Totholz ein bislang unterschätzter Kohlenstoffspeicher im Wald ist. Während es langsam zerfällt, bindet es über viele Jahre Kohlenstoff und gibt Nährstoffe sowie Wasser an den Waldboden ab. Gleichzeitig bietet es Lebensraum für unzählige Insekten, Pilze, Vögel und andere Tiere. Diese Funktionen sind besonders dort sichtbar, wo Wälder weitgehend sich selbst überlassen bleiben.

Nationalparks, Wildnisgebiete und Co. als Vorbilder

In Niederösterreich wird der Wert von Totholz vor allem in den großen Schutzgebieten deutlich. In den Nationalparks Donau-Auen und Thayatal, im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal und in den Kernzonen im Biosphärenpark Wienerwald kann sich Totholz in unterschiedlichen Formen ansammeln und seine ökologische Wirkung voll entfalten. Diese Gebiete zeigen, wie wichtig abgestorbenes Holz für stabile, widerstandsfähige Waldökosysteme ist.

Totholz im geplanten Nationalpark Kampwald

Auch der geplante Nationalpark Kampwald rückt die Bedeutung von Totholz verstärkt in den Fokus. Als großflächiger, naturnaher Waldraum soll er langfristig zur Erhaltung natürlicher Waldprozesse beitragen. Dazu gehört auch, dass abgestorbene Bäume im Wald verbleiben dürfen und so zur Förderung der Artenvielfalt und zur Speicherung von Kohlenstoff beitragen. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wird deutlich, wie wichtig solche Rückzugsräume für eine zukunftsfähige Waldlandschaft sind.

Totholz in der Forstwirtschaft und im Klimawandel

Über viele Jahrzehnte wurde Totholz aus wirtschaftlichen Gründen aus den Wäldern entfernt. Heute setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass ein bewussterer Umgang mit Totholz wichtig ist. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge beeinflussen den Abbauprozess zusätzlich: Je nach Lage, Holzart und Feuchtigkeit zersetzt sich Totholz unterschiedlich schnell und wirkt damit verschieden lange als Kohlenstoffspeicher. Liegendes Holz zersetzt sich anders als aufgestelltes, und Laubhölzer bauen sich schneller ab als Nadelhölzer.

Forschung für die Wälder von morgen

Der Blick auf Niederösterreichs Nationalparks, das Wildnisgebiet und zukünftige Schutzgebiete wie den Nationalpark Kampwald zeigt: Totholz ist kein Zeichen von Unordnung, sondern ein stiller Verbündeter für gesunde Wälder, artenreiche Lebensräume und wirksamen Klimaschutz. Wer Wälder langfristig erhalten will, muss auch dem Totholz seinen Platz lassen.