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Totholz: Abgestorbene Bäume voller Leben

Ein umgestürzter Baum wirkt wie ein Zeichen des Verfalls - tatsächlich ist er aber Zentrum des Lebens!

Abgestorbene Altbuche mit dickem Stamm liegt im Wald.
Totholz gibt es in verschiedenen Formen, rund ein Drittel der Waldbewohner ist darauf angewiesen.

Als Totholz werden abgestorbene Bäume oder Baumteile bezeichnet, die im Wald verbleiben. Dazu zählen etwa umgestürzte Baumstämme, abgestorbene noch stehende Bäume, Baumstümpfe oder abgebrochene Äste. In der intensiven Forstwirtschaft werden alte und tote Bäume häufig aus dem Wald entfernt, Wälder werden „aufgeräumt“. 

Arten von Totholz

Totholz ist in unterschiedlichen Formen vorzufinden und verändert sich im Laufe der Zeit. 

  • Stehendes Totholz: Damit sind Bäume gemeint, die noch aufrecht stehen.
  • Hängendes Totholz: Umgeknickte Bäume oder Äste, teils noch mit dem Baum verbunden.
  • Liegendes Totholz: Abgefallene Äste oder Stämme am Waldboden.

Außerdem kann Totholz nach seinem aktuellen Zersetzungsgrad unterschieden werden: von frisch abgestorben bis vollständig zersetzt (Humus/Mulm), dieser Prozess dauert Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte, je nach Baumart und Standort.

Lebensraum, Versteck, Nahrungsquelle und Kinderstube

Rund ein Drittel aller Waldbewohner - etwa 13.000 Arten - ist direkt oder indirekt auf Totholz angewiesen. Dazu zählen mitunter Klein- und Kleinstlebewesen wie Insekten und Käfer, aber auch größere Vertreter wie Fledermäuse, Spechte, Eulen und andere Vogelarten. Sie nutzen das Totholz als Nahrungsquelle, Lebensraum und Kinderstube sowie als Versteckmöglichkeit. Auch zahlreiche Pilze und Moose besiedeln „totes Holz“. Viele dieser Arten brauchen Totholz – sie können ohne dieses spezielle Habitat nicht überleben.

Bestimmte holzbewohnende Arten, wie verschiedene Bockkäfer oder der Hirschkäfer, sind sogenannte Zeigerarten: Ihr Vorkommen zeigt, dass ein Wald über ausreichend Totholz sowie eine hohe ökologische Qualität verfügt.

Totholzinsel aus Buchenholz im Wald
Im geplanten Nationalpark Kampwald soll Totholz als natürlicher Bestand gefördert werden.

Funktionen von Totholz

Totholz hat eine besondere Bedeutung für den Wald und übernimmt wichtige Aufgaben im Ökosystem. Totholz speichert große Mengen Wasser. Die gespeicherte Feuchtigkeit wird bei Trockenheit langsam wieder an den Wald abgegeben – zudem sorgt es für ein gutes Mikroklima. Eine aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur weist auch auf die Wichtigkeit von Totholz in Bezug auf den Klimaschutz hin: CO2 wird in Totholz über Jahrzehnte hinweg gespeichert und langsam abgegeben, statt sofort freigesetzt zu werden.

Natürlich ist Totholz auch ein wichtiger Teil des Nährstoffhaushalts im Wald – und sorgt für eine gute Bodenqualität. Spezialisierte Organismen, wie Insekten, Pilze und Bakterien, bauen das Holz langsam ab – bis am Ende Humus daraus wird. Diese nährstoffreiche Erde bildet die Grundlage für neues Pflanzenwachstum und eine gesunde Verjüngung des Waldes. Liegendes Totholz kann auch vor Erosion, Hangrutschungen, Steinschlägen und anderen Naturgefahren schützen bzw. deren Auswirkungen vermindern.

Totholz im geplanten Nationalpark Kampwald

Auch in unseren Gemeindewäldern spielt Totholz eine große Rolle. Das zeigt sich auch am geplanten Nationalpark Kampwald im Waldviertel: Als großflächiges, naturnahes Waldgebiet soll er langfristig dazu beitragen, dass die natürlichen Abläufe im Wald erhalten bleiben. Im Herzstück, dem Dobratal, wird die forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt.

Tote Bäume sollen im Wald verbleiben – als Grundlage für Biodiversität und natürlichen Kohlenstoffspeicher. Durch die natürliche Baumzusammensetzung und den geplanten Strukturreichtum (u. a. durch einen hohen Anteil an Alt- und Totholz) wird die Entwicklung einer Wildnis gefördert. Besonders im Kontext mit dem Klimawandel wird deutlich, wie bedeutend solche Rückzugsräume für eine nachhaltige und zukunftsfähige Waldentwicklung sind.

Unsere Initiative war mit dem Thema "Der Wald im Kreislauf: Totholzreiche Mischwälder" bei Radio Maria vertreten: Der Beitrag ist online nachzuhören.