Tier des Jahres 2017: Der Wolf

Der Wolf (Canis lupus) ist die Stammform unserer Haushunde und wurde zum Tier des Jahres 2017 gewählt. Er ist ein soziales und intelligentes Rudeltier, das in Österreich seit dem 19. Jahrhundert als ausgerottet galt - seit letztem Jahr lebt allerdings wieder eine Wolfsfamilie in Niederösterreich.

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Ursprünglich war der Wolf europaweit stark verbreitet. Im Großteil der nördlichen Hemisphäre kam er von der arktischen Tundra bis zu den südlichen (Halb)wüsten vor. Doch durch die starke Verfolgung seitens des Menschen zeichneten sich bereits im 17./18. Jahrhundert große Lücken im Areal ab. In Österreich wurde er im 19. Jahrhundert endgültig ausgerottet. Jedoch gab es seither immer wieder einzelne Tiere aus der Karpaten- und Balkanpopulation und aus Italien, die durch Österreich wanderten.

Lebensraum

Generell ist der Wolf sehr anpassungsfähig, was seinen Lebensraum betrifft, er bevorzugt aber offene oder teilweise offene Landschaften mit herdenlebenden Huftieren (Rehe, Rothirsche, Wildschweine). In den Alpen lebt er in großen Wald- und Berggebieten, wo er wenig Störungen von den Menschen zu erwarten hat.

In Niederösterreich, genauer im Europaschutzgebiet Truppenübungsplatz Allentsteig, wurde im letzten Jahr eine Wolfsfamilie mit Jungtieren gesichtet. Die Jungen konnten mit den Elterntieren auf dem über 15.000 Hektar großen Areal im Waldviertel vom Naturschutzpersonal des Bundesheeres beobachtet und fotografiert werden.

Aussehen und Merkmale

Der Wolf ähnelt auf den ersten Blick einem großen Schäferhund, allerdings ist er hochbeiniger und hat einen großen, breitstirnigen Kopf mit kleinen, dreieckigen Ohren und einer buschigen Rute. In unseren Breiten erreicht er eine Schulterhöhe von ca. 60 - 80 cm und eine Kopf-Rumpflänge bis zu 130 cm. Er wird zwischen 30 und 60 kg schwer. Sein Fell ist grau mit gelblich bis dunkelbraunen Untertönen. Die Weibchen sind kleiner als die Rüden. Im Vergleich zu Hunden tragen Wölfe die Rute waagrecht oder nach unten hängend.

Familienbande und Wanderschaft

Wölfe leben überwiegend in Familiengruppen von fünf bis zehn Tieren. Sie sind ausdauernde Läufer und sehr kommunikativ. Ihr Heulen und langgezogenes Jaulen ist bis zu 15 km weit hörbar. Bei ihren Wanderungen legen sie beachtliche Strecken zurück, diese Wanderungen ergeben sich häufig aus der Tatsache, dass der Jäger Wolf mit seiner Beute mitwandert.

Die Familienverbunde bestehen meist aus einem Elternpaar und ihren noch nicht geschlechtsreifen Jungtieren verschiedener Generationen. Die Tiere zeichnen sich durch ein komplexes Sozialverhalten aus. Im Rudel gibt es eine Rangordnung. Gewöhnlich pflanzt sich das ranghöchste Paar fort. Die Tragzeit beträgt zwischen 61 bis 63 Tage. Die vier bis sechs Welpen werden meist in einer Höhle geboren und anschließend acht Wochen lang gesäugt. Mit ein bis drei Jahren erreichen die Jungtiere die Geschlechtsreife. In freier Wildbahn werden Wölfe etwa acht bis 16 Jahre alt.

Beute und Nahrung

Als großer Beutegreifer stellt der Wolf einen gefährlichen Jäger dar. Im Rudel können Wölfe Beutetiere erlegen, die um ein Vielfaches größer sind als sie selbst. Meist werden Jungtiere sowie alte oder kranke Tiere erbeutet. Damit erfüllen Wölfe eine wichtige ökologische Funktion. In Menschennähe kann es auch vorkommen, dass Wölfe domestizierte Tiere, wie Schafe oder Ziegen reißen oder im Falle von Nahrungsmangel auch Abfall fressen. Menschen gegenüber sind Wölfe scheu und zeigen Meideverhalten.

Gefährdung und Schutz

Das negative Image des Wolfes als gefährliches Raubtier hat zu seiner Ausrottung in West- und Mitteleuropa geführt. Die europaweite Unterschutzstellung führte dazu, dass sich die Bestände wieder etwas erholen konnten, doch laut der Roten Liste Österreichs ist der Wolf immer noch als "regional ausgestorben" geführt. Die Wolfsfamilie in Allentsteig ist die erste seit über 100 Jahren - das ist ein außerordentlicher Erfolg für den Artenschutz.

Um diese Entwicklung zu fördern, muss Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen und Bewusstseinbildungsarbeit geleistet werden. Dies sind auch die Gründe für die Wahl des Wolfes als Tier des Jahres 2017. Vor allem bei JägerInnen und LandwirtInnen gilt es die Akzeptanz zu erhöhen. Speziell für (Alm-)BäuerInnen können die großen Beutegreifer (Bär, Luchs und Wolf) ein Problem darstellen, sie brauchen finanzielle Unterstützung, um die erforderlichen Maßnahmen zu setzen das Weidevieh zu schützen. 

Konflikte vermeiden

Wichtig sind vor allem auch Vorbeuge- und Schutzmaßnahmen, damit es zu keinen Konflikten zwischen Wolf und Mensch kommt. Aus manchen Gebieten wird berichtet, dass das Interesse von Wölfen an Weidetieren nachlässt, wenn sie ein Rudel bilden. Einzelwölfe sollen also für Weidevieh gefährlicher sein als Rudel. Laut Dr. Georg Rauer, Wolfsbeauftragter in Österreich, kann das Zusammenleben mit Wölfen durch ausreichenden Schutz der Weidetiere durch Herdenschutzmaßnahmen, wie Zäunung, Herdenschutzhunde und Behirtung, gewährleistet werden.

Keine Gefahr für den Menschen

In Deutschland kam es in der Vergangenheit mehrmals zu Wolfsichtungen, da dort bereits wieder mehrere Rudel leben. Wölfe sind neugierig, daher kann es schon einmal passieren, dass sie sich menschlichen Siedlungen nähern. Grundsätzlich meiden Wölfe aber Begegnungen mit Menschen. Problematisch kann es werden, wenn Menschen die Wölfe füttern, da sie dadurch ihre natürliche Scheu verlieren.

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