Osterluzeifalter am Rindfleischberg

Schutzgebietsbetreuung und -management im Westlichen Weinviertel

Das Projekt wurde im Zeitraum von März 2019 bis Dezember 2021 im Europaschutzgebiet Westliches Weinviertel umgesetzt.

Im Europaschutzgebiet Westliches Weinviertel wurden Erhaltungsmaßnahmen wie Entbuschung, Spezialflächenmahd und Beweidung auf Trockenrasen durchgeführt.

Entsprechend dem Handlungsleitfaden für das Europaschutzgebiet Westliches Weinviertel wurden Erhaltungsmaßnahmen wie Entbuschung, Spezialflächenmahd und Beweidung auf Trockenrasen durchgeführt sowie Pflegeaktivitäten in Feuchtgebieten vorbereitet und initiiert. Zur Überprüfung des Pflegeerfolges bzw. zur Bestandserhebung fanden Kartierungen seltener bzw. geschützter Pflanzen statt.

Schwerpunkt war die Wiederherstellung von Trockenrasenbeständen durch Erstmaßnahmen in Form von Entbuschungen sowie die Nachpflege von bereits geschwendeten Flächen. Es wurden auch Bekämpfungsmethoden für die besonders problematischen Gehölze wie Robinie und Götterbaum ausprobiert. Entbuschungen auf silikatischen Trockenrasen fanden in der Gemeinde Retz auf insgesamt 11,6 Hektar statt, im Naturschutzgebiet Mühlberg in der Gemeinde Sitzendorf an der Schmida wurden jährlich ca. 0,5 Hektar gepflegt. In den Gemeinden Zellerndorf, Röschitz und Sitzendorf wurden für drei weitere Trockenrasengebiete Pflegepläne erstellt und mit der Erstpflege durch professionelle Pflegedienstleister begonnen.

Trockenraseninseln mit dem Schutzgut Sand-Schwertlilie

Auf allen bekannten Sand-Schwertlilien-Wuchsorten in den Gemeinde Pulkau und Straning-Grafenberg sowie kleinere Trockenrasenflächen am Kalvarienberg Pillersdorf und Zellerndorf konnten Pflegemaßnahmen durchgeführt. Durch Hinweise von Grundeigentümern wurden auch zwei neue Sand-Schwertlilien-Vorkommen entdeckt.

Beweidung und fachliche Begleitung sichern die Schutzgüter

Die Schafbeweidung auf den Trockenrasenflächen wurde fachlich begleitet und die Erforderlichkeit einer kontinuierlichen Steuerung mit begleitender Adaption der Beweidungspläne wurde klar belegt. Beispielsweise zeigte sich die Notwendigkeit auf Silikat-Trockenrasen - sobald hochwüchsige Gräser wie der Glatthafer ausgefallen sind, dass nur alle zwei bis drei Jahre beweidet werden sollte, weil die Flächen sonst zu sehr aushagern und es zu Erosion kommt.

Erhebungen

Standorte von hochgradig gefährdeten Arten wurden hinsichtlich etwaiger Habitatverschlechterungen kontrolliert und der Zustand dokumentiert. Demzufolge fand eine Ersterhebung der Hornmelde-Population im Naturdenkmal südlich von Goggendorf (Gemeinde Sitzendorf) statt, eine Zählung des Stängellosen Tragants (Astragalus exscapus) im Naturschutzgebiet Mühlberg, eine Folgeerhebung der bewei-deten Sandschwertlilien (Iris humilis ssp. arenaria)-Populationen in den Gemeinde Retz und Straning-Grafenberg sowie eine Folgeerhebung der Population des Blasen-Tragants (Astragalus vesicarius) in der Gemeinde Haugsdorf. Die Monitoringmethodik bei der Sand-Schwertlilie orientierte sich zwecks Vergleichbarkeit an vorhandenen Erhebungen aus den Jahren 2007-2011, die Dauerbeobachtungsflächen wurden wieder aufgesucht und mit der Londo-Skala kartiert und Managmentadaptierungen daraus abgeleitet. Während die Sand-Schwertlilie die Beweidung gut verträgt und die Population des Stängellosen Tragants auf ca. 80 blühenden Individuen angewachsen ist (größte Population in Österreich), droht die Population des Blasen-Tragants auf dem einzigen Fundort der Region durch Böschungserosion zu erlöschen.

Feuchtgebietspflege startet

Für zwei Feuchtgebiete „Schmidaniederung östlich von Kleinreinprechtsdorf“ und „Krautgartenwiesen“ in der KG Unternalb in Retz wurden Managementpläne erstellt. Über Informationen zum hohen Brutvogelreichtum, Vorkommen seltener Wiesenbrüter (z. B. Wachtelkönig) und seltener Käfer (z.B. Juchtenkäfer) wurde die lokale Bevölkerung der hohe naturschutzfachliche Wert des Gebietes näher gebracht und zur Mithilfe bzw. Einstieg in die WF-Maßnahme (ÖPUL) motiviert. Erste Pflegemaßnahmen fanden im Feuchtgebiet Krautgartenwiesen zwecks Zurückdrängung von Schilf statt. Im Feuchtgebiet Schmidaniederung wurden in einer alte Kopfbaumreihe im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes von Grundeigentümern zusammen mit der NÖ Schutzgebietsbetreuung einige durchgewachsene Einzelbäume reaktiviert. Der Erhalt der alten Weiden und Pappeln ist für den dort vorkommende Eremit (=Juchtenkäfer) existentiell wichtig.

Schutzgebietsbeauftragter vor Ort

Den Rahmen für all diese Aktivitäten bot die Schutzgebietsbetreuung, deren Tätigkeiten Fachberatungen für Gemeinden und andere Stakeholder, die Erarbeitung von Lösungen für naturschutzfachliche Fragestellungen sowie die Abstimmung mit anderen Projekten (z. B. LEADER-Projekt „Trockenrasen Retz, Retzbach“, LEADER-Bildungsprojekt „Naturschätze im westlichen Weinviertel“, KLAR-Retzerland) umfasste. Gebietsbesichtigungen und floristische Exkursionen mit Experten/innen und Laien tragen zur Bewusstseinsbildung und zur Weiterentwicklung und Konkretisierung von Projektideen bis hin zur Initiierung und Vorbereitung weiterer Folgeprojekte (Waldprojekt Oberes Pulkautal, LEADER-Trockenrasen Retz-Retzbach Folgeprojekt 2022, Trockenrasenpflege durch INTERREG-Projekt RECO) bei.  Zugleich dienen die Aktivitäten dem Ziel des Aufbaus regionaler Strukturen und Partnerschaften zur langfristigen Sicherung von Schutzgütern.

Projektdaten

Projektträger: Amt der NÖ Landesregierung, Abt. Naturschutz

Projektlaufzeit: März 2019 – Dezember 2021

betroffene Regionen: Weinviertel (im Gemeindegebiet von Alberndorf, Eggenburg, Haugsdorf, Hadres, Pernersdorf, Pulkau, Retzbach, Retz, Röschitz, Seefeld-Kadolz, Schrattenthal, Sitzendorf an der Schmida, Straning-Grafenberg, Zellerndorf

betroffene Schutzgebiete: ESG Westliches Weinviertel (Natura 2000 - AT1209A00, AT1209000), Naturschutzgebiet Mühlberg, Naturdenkmäler, Handlungsfelder Trockenraseninseln im Weinviertel, Alt- und Totholzbewohner, Eichenwälder mit BBSG Sand-Schwertlilie (A6220 Iris humilis ssp. arenaria), Stängelloser Tragant (Astragalus exscapus), Smaragdeidechse (A1263 Lacerta viridis, u.a.

mit dabei: Experten, Gemeinden, Grundeigentümer, Landwirte, Behördenvertreter, Landschaftspflegeunternehmen, Studenten, Freiwillige/Bevölkerung

Bewusstseinsbildung für Naturschätzte im Projektgebiet über: Gespräche, Beratungen, Öffentlichkeitsarbeit in Form von Beiträgen in Gemeindezeitungen, Naturland NÖ Beiträge

Ein Projekt der NÖ Schutzgebietsbetreuung, welches von der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ koordiniert wird.

Download