Vogel des Jahres 2017: Der Waldkauz

Stellvertretend für alle Eulenarten wurde der Waldkauz (Strix aluco) zum Vogel des Jahres 2017 gewählt. Er ist Botschafter für den Erhalt nahrungsreicher Wälder mit großem Altbaum- und Totholzbestand.

Waldkauz_c_Rosl-Roessner

BirdLife Österreich, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern haben gemeinsam den Vogel des Jahres 2017 gekürt. Die Entscheidung fiel dabei auf eine Eulenart, die aufgrund ihres runden Kopfes ohne Federohren als "Kauz" bezeichnet wird.

Aussehen und Lebensweise

Der Waldkauz hat einen sehr kompakten Körperbau, einen beigebraun gefärbten Gesichtsschleier und einen gekrümmten gelblichen Schnabel. Durch seine großen runden "Knopfaugen" wirkt er auf uns Menschen sehr freundlich. Auch die hellen Querstriche oberhalb der Gesichtsumrandung - die an menschliche Augenbrauen erinnern - sind auffällig. Er ist nachtaktiv und seine typischen Rufe "Huu-hu-huhuhuhuu" sind oft dramatisches Element in Krimis.

Verbreitung

Der Waldkauz ist noch recht weit verbreitet, während andere Eulenarten teilweise stark gefährdet sind. Insbesondere der Verlust natürlicher Brutmöglichkeiten und das Fehlen von geeignetem Lebensraum und ausreichend Nahrung setzen den heimischen Eulen zu. Auch die Intensivierung der Landwirtschaft trägt zur hohen Gefährdung etwa des Steinkauzes oder der Schleiereule bei.

Der Waldkauz ist die häufigste Eulenart Österreichs und gilt als Positivbeispiel im Vogelschutz. Mit 12.000 bis 20.000 Waldkauz-Brutpaaren ist sein Bestand als langfristig stabil einzuschätzen. In Niederösterreich gilt der Waldkauz nicht als gefährdet, es gibt lt. Hochrechnung zwischen 3.000 und 5.000 Brutpaaren. Er lebt in den Wäldern und Parks des Landes, da er alte Bäume mit Bruthöhlen benötigt.

Lebensraum

Der Waldkauz ist ein anpassungsfähiger Vogel, der nicht nur im Wald zuhause ist. Wenn er keine geeigneten Bruthöhlen in Bäumen findet, weicht er auf ruhige Winkel in Gebäuden, Scheunen oder Nistkästen aus. Der Waldkauz ist deshalb auch in Städten zu Gast und freut sich über alte Baumbestände, z.B. auf Friedhöfen oder in Parks. Früher glaubte man deshalb, dass er ein Todesbote oder Unglücksbringer sei.

Lautloser Jäger

Tagsüber versteckt sich der Kauz in dichten Gebüschen, Baumkronen oder in Höhlen. Auf die Jagd geht er nachts. Dabei fliegt er praktisch lautlos. Kurz nach Sonnenuntergang beginnt er mit der Nahrungssuche. Er verschlingt seine Beute (Mäuse und andere Kleintiere) mit Haut und Haaren. Alles Unverdauliche wie etwa Federn und Knochen wird wie auch bei anderen Eulenvögeln in Form des "Gewölles" wieder hervorgewürgt.

Bei der Jagd läuft der Waldkauz oft Gefahr, selbst zum Opfer zu werden. Er kollidiert häufig mit Hindernissen oder wird bei der Jagd auf der Straße überfahren. Beim Abflug von Leitpflöcken wird er häufig von vorbeifahrenden Autos erfasst. Zäune, Stromleitungen und Bahntrassen sind ebenfalls Todesfallen für die lautlosen Jäger.

Anpassungsfähig

Die große Anpassungsfähigkeit des Waldkauzes ist allerdings eine Ausnahme, denn andere Arten wie etwa der Sperlingskauz oder der Raufußkauz, sind in ihrer Verbreitung stark eingeschränkt. Aus diesem Grund kommt Österreich eine besondere Verantwortung hinsichtlich des Erhalts dieser Arten zu.

Vogelschutz-Inseln für gefährdete Waldeulen

BirdLife hat gemeinsam mit den Österreichischen Bundesforsten eine Projektkooperation gestartet, um 484 Waldgebiete als Biodiversitäts-Inseln auszuweisen und von der forstwirtschaftlichen Nutzung auszusparen. Dabei werden große, alte Baumbestände und ausreichend abgestorbenes Holz für sämtliche Waldvogelarten gesichert. In Niederösterreich wurden bereits mehrere Gebiete im Wienerwald, im Waldviertel und im Alpenvorland als Vogelschutz-Inseln ausgewiesen.

Sperlingskauz, Raufußkauz und Waldkauz bauen selbst keine Nester, da sie als Höhlenbrüter auf passende Brutmöglichkeiten angewiesen sind. Daher brauchen sie Schutzmaßnahmen. Bis 2020 wird ein Netz aus Vogelschutz-Inseln geschaffen, die das langristige Überleben gefährdeter Waldvogelarten nachhaltig sichern sollen. Baumhöhlen sind nicht nur zur Aufzucht der Jungen wichtig, sondern auch Versteckmöglichkeit und Futterdepot.

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