Nationalpark schützt Schildkröten

In den Donau-Auen lebt der letzte intakte Bestand der bedrohten Europäische Sumpfschildkröte in Österreich.

Europäische Sumpfschildkröte sitzt auf einem Baumstamm, der in einem Gewässer schwimmt.

In den Donau-Auen lebt der letzte intakte Bestand der bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte in Österreich.

Die streng geschützten Reptilien werden in den Donau-Auen speziell erforscht und gefördert. Die Artenschutzbemühungen umfassen neben dem Erhalt der Lebensräume und laufender Forschung auch die jährliche Sicherung der Schildkrötengelege. Diese Maßnahmen sind sehr erfolgreich. Mittlerweile leben wieder über 2.000 Individuen aller Altersklassen im Nationalparkgebiet. Das zeigt, dass genügend Jungtiere nachkommen und sich die Population gut entwickelt.

Schutz vor Fressfeinden

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Nationalparkdirektorin Edith Klauser und die Leiterin des Artenschutzprogramms Maria Schindler besuchten kürzlich einen Projektstandort, an dem jeden Frühling viele Jungtiere aus Gelegen schlüpfen. Sofort nach der Eiablage in selbst gegrabenen Höhlen werden die Gelege mit Metallgittern vor Fressfeinden gesichert. Die Jungtiere können später ungehindert schlüpfen und suchen nahegelegene Gewässer auf.

Drei Frauen knieen auf einer Wiese und halten junge Schildkröten in der Hand.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Nationalparkdirektorin Edith Klauser und Maria Schindler, Expertin des Artenschutzprogramms Europäische Sumpfschildkröte im Nationalpark Donau-Auen

Artenschutzprogramm für Sumpfschildkröte

Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist die einzige natürlich vorkommende Schildkrötenart Österreichs. Im Nationalpark findet sich die letzte intakte, streng geschützte Population. Die Art ist am dunklen flachen Panzer, den Schwimmhäuten und charakteristischen gelben Punkten zu erkennen. Zum natürlichen Lebensraum zählen langsam fließende Flüsse und stille Altarme sowie Teiche und Tümpel mit dichtem Pflanzenbewuchs.

Den Winter verschlafen sie im Schlamm

Die Reptilien verbringen den größten Teil des Tages bei der Nahrungssuche im Wasser. Bei kühleren Temperaturen nehmen sie Sonnenbäder auf liegenden Baumstämmen oder am Ufer. Die kalte Jahreszeit verbringen die Tiere in unseren Breiten in Winterruhe am Gewässerboden im Schlamm vergraben.

Junge Sumpfschildkröte sitz im Gras, nahaufnahme

Ein Jungtier macht sich auf den Weg zu einem Gewässer.

Nur jedes 100. Jungtier überlebt

Die Eiablage erfolgt im Frühsommer. Die Gelege werden durch Sonnenwärme ausgebrütet, die Jungtiere schlüpfen im Herbst. Sie suchen entweder gleich ein Gewässer auf oder überwintern bis zum folgenden Frühling ohne Nahrungsaufnahme in der Höhle, um sich dann erst auf den Weg zu machen. Nur etwa jedes hundertste Jungtier erreicht das Erwachsenenalter und trägt ab etwa 12-15 Jahren zum Erhalt der Population bei.

Gefahr droht auch durch andere Arten

Zu den Bedrohungen für die Europäische Sumpfschildkröte zählt neben dem großflächigen Verlust von passenden Lebensräumen und der Zerstörung der Gelege durch Fressfeinde auch die Konkurrenz durch gebietsfremde Schildkröten aus Zuchten und Privathaushalten. Arten wie die Rotwangen- oder die Gelbbauch-Schmuckschildkröte, die in Nationalparkgewässern ausgesetzt wurden, bringen unser heimisches Reptil durch direkte Konkurrenz in Bedrängnis.