Zirpen für die Liebe - Sommernachtskonzerte der Heuschrecken
Ende August ist die Zeit der sommerlichen Konzerte: Heuschrecken und Grillen zirpen was das Zeug hält. Und die Gesänge dienen vor allem der Partnerfindung.
Es ist Hochsaison bei den "Wiesenkonzerten". Gefühlt zirpt, rasselt und summt es überall - vor allem abends.
Der Großteil der bei uns heimischen Heuschreckenarten entwickelt sich über den Sommer. Jetzt sind die Tiere erwachsen und bereit sich fortzupflanzen. Und bei der Partnersuche wird nun lautstark gesungen und gezirpt. Zudem sind Heuschrecken wechselwarme Tiere, das heißt: Wärme macht sie aktiver - so kommt es, dass warme Sommerabende verstärkt für lautstarke Konzerte genutzt werden.
Meist sind es die männlichen Heuschrecken, die Lärm machen. Sie wollen damit einerseits die Weibchen auf sich aufmerksam machen und andererseits potenziellen Rivalen klar machen, dass Reviere bereits besetzt sind. Das Spannende dabei ist, dass jede Heuschrecken-Art so etwas wie einen eigenen Dialekt hat - durch Unterschiede in Tonhöhe, Rhythmus und Lautstärke unterscheiden sie sich. Die verschiedenen Arten haben sozusagen einen unverwechselbaren akustischen Fingerabdruck.
Klein, nahezu unsichtbar und laut
Speziell abends, wenn die Geräusche des Tages (Autos, Maschinen, Vögel u. a.) weniger werden, hört man vermehrt Zirpen und Schwirren. Zudem sind viele heimische Langfühlerschrecken dämmerungs- und nachtaktiv. Mancher der begnadeten Musiker zirpt hoch oben am Baum oder irgendwo im Gebüsch, während wieder andere am Boden sitzend musizieren. Dadurch wirkt es fast, als käme das Geräusch von überall her. Häufig sieht man die Sänger gar nicht, weil sie so gut versteckt und getarnt sind. Manche der lautesten Wiesenbewohner, sind tatsächlich kaum zu entdecken, zum Beispiel das Weinhähnchen, das Grüne Heupferd, die Feldgrille oder auch der Warzenbeißer.
Kleines Tier, großer Lärm
Bei vielen Langfühlerschrecken und Grillen funktioniert die Geräuschbildung über Stridulation: Sie reiben spezielle Strukturen an ihren Vorderflügeln gegeneinander - es entsteht Schall. Die Flügel dienen dabei als Resonanzkörper. Andere Arten erzeugen Laute auf andere Weise, z.B. mit Beinen, Flügeln oder mit den Mundwerkzeugen. Bei manchen Heuschreckenarten hängt die Geschwindigkeit des Zirpens auch von der Temperatur ab, je wärmer es ist, desto schneller laufen die Bewegungen beim Stridulieren ab.
Heimische Stars
Größe und Lautstärke bei der Balzkommunikation stehen häufig in keinerlei Verhältnis. So mancher Zwerg ist ordentlich laut.
Das Weinhähnchen ist sogar vergleichsweise winzig, durch das durchdringende Dauerzirpen ist es aber gut zu hören. Es ist abends bzw. nachts aktiv und ein besonders ausdauernder Sänger.
Das Grüne Heupferd ist eigentlich recht groß, aber trotzdem erstaunlich schwer zu sehen, weil die Tarnung so gut ist. Es verfügt über ein kräftiges, scharfes Zirpen, das man bei Tag und Nacht hören kann.
Die Feldgrille hat ein markantes Zirpen in Serie, hauptsächlich am Abend und in der Nacht zu hören. Feldgrillen verbringen viel Zeit in selbst gegrabenen Bauen.
Der Warzenbeißer erzeugt ein rasselndes/schwirrendes Geräusch, das man untertags bei Sonnenschein hören kann. Er gehört zu den Langfühlerschrecken. Sein etwas unromantischer Name stammt aus vergangenen Zeiten: Früher ließ man die Tiere in Warzen beißen, weil man sich von ihren ätzenden Verdauungssäften eine heilende Wirkung erhoffte.
Konzertgenuss
Wenn es an warmen Sommerabenden überall zirpt und schwirrt, lohnt es sich genauer hinzuhören. Denn hinter dem scheinbar eintönigen Geräusch steckt eigentlich ein vielstimmiges Konzert aus Balzrufen, Reviergesängen und manchmal erstaunlich kleinen, aber lauten Musikern.