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Verborgene Vielfalt im Boden: Neue Studie zeigt die erstaunliche Welt der Pilze

Unter unseren Füßen verbirgt sich eine faszinierende Welt: Ein neues Forschungsprojekt macht erstmals die enorme Vielfalt der Bodenpilze in Österreichs Großschutzgebieten sichtbar – mit spannenden Erkenntnissen auch für Niederösterreich.

Violette Pilze am Waldboden
Die Vielfalt an Pilzen in unseren Großschutzgebieten ist riesig.

Was sich unter unseren Füßen abspielt, bleibt meist unsichtbar – ist für unsere Natur aber von unschätzbarem Wert. Das Forschungsprojekt MetaFung hat erstmals die Vielfalt der Bodenpilze in den österreichischen Großschutzgebieten umfassend untersucht. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll: Der Boden beherbergt eine bislang kaum bekannte Artenvielfalt und spielt eine Schlüsselrolle für gesunde Wälder, stabile Ökosysteme und den Erhalt der Biodiversität.

Unsichtbare Helfer für gesunde Wälder

Pilze übernehmen im Boden zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. Sie zersetzen abgestorbenes Holz, Laub und andere organische Materialien und sorgen dafür, dass wertvolle Nährstoffe wieder verfügbar werden. Viele Arten leben außerdem in enger Partnerschaft mit den Wurzeln von Bäumen und anderen Pflanzen. Diese sogenannten Mykorrhiza-Pilze unterstützen ihre Pflanzen bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und stärken so deren Widerstandskraft – besonders in Zeiten zunehmender Trockenheit.

Damit leisten Bodenpilze einen wesentlichen Beitrag zu funktionierenden Stoffkreisläufen, fruchtbaren Böden und widerstandsfähigen Wäldern.

Beeindruckende Artenvielfalt unter der Erde

Für die Studie wurden insgesamt 320 Bodenproben auf 190 Untersuchungsflächen in acht österreichischen Großschutzgebieten analysiert. Dazu zählen unter anderem der Nationalpark Thayatal, der Nationalpark Donau-Auen, der Biosphärenpark Wienerwald sowie weitere Nationalparks und Schutzgebiete.

Mithilfe moderner eDNA-Analysen konnten die Forschenden 15.695 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten nachweisen. Mehr als 5.100 davon ließen sich bereits bekannten Pilzarten zuordnen. Besonders bemerkenswert: 205 nachgewiesene Arten stehen auf der Roten Liste Österreichs, darunter 25 vom Aussterben bedrohte Pilzarten.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die tatsächliche Pilzvielfalt Österreichs wesentlich größer sein dürfte als bisher angenommen.

Vertreter aus unterschiedlichen Großschutzgebieten haben sich zur Abschlusspräsentation im NP Thayatal eingefunden.
Vertreter aus unterschiedlichen Großschutzgebieten haben sich zur Abschlusspräsentation im NP Thayatal eingefunden.

Moderne DNA-Methoden eröffnen neue Einblicke

Im Projekt kam erstmals großflächig das sogenannte eDNA-Metabarcoding zum Einsatz. Dabei werden nicht die Pilze selbst gesammelt, sondern ihre genetischen Spuren aus Bodenproben untersucht. Dadurch können auch Arten nachgewiesen werden, die kaum Fruchtkörper bilden oder mit klassischen Methoden nur schwer zu finden sind.

Die Forschenden konnten auf diese Weise sogar Pilzarten nachweisen, die bisher in Österreich noch nicht bekannt waren – darunter auch die Großsporige Trüffel (Tuber macrosporum), eine besonders seltene und kulinarisch geschätzte Art.

Jedes Schutzgebiet trägt zur Artenvielfalt bei

Ein zentrales Ergebnis des Projekts: Jedes der untersuchten Schutzgebiete beherbergt eine eigene, einzigartige Pilzgemeinschaft. Bodenbeschaffenheit, Baumarten und natürliche Lebensräume beeinflussen, welche Pilzarten dort vorkommen.

Gerade deshalb leisten Schutzgebiete einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Sie bewahren nicht nur seltene Tiere und Pflanzen, sondern auch jene verborgenen Lebensgemeinschaften im Boden, die für gesunde Ökosysteme unverzichtbar sind.

Wissen für den Naturschutz von morgen

Die Ergebnisse des Projekts liefern eine wichtige Grundlage für das zukünftige Biodiversitätsmonitoring in Österreich. Gleichzeitig zeigen sie, wie wertvoll naturnahe Lebensräume für den Schutz bislang wenig erforschter Organismengruppen sind.

Um die faszinierende Welt der Bodenpilze einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen, entstand im Rahmen des Projekts außerdem die Broschüre „Verborgene Vielfalt – Die unsichtbare Welt der Pilze“, die die wichtigsten Erkenntnisse verständlich zusammenfasst.

Die MetaFung-Studie macht deutlich: Wer Natur schützen möchte, sollte nicht nur auf das schauen, was sichtbar ist. Denn ein großer Teil unserer Artenvielfalt lebt verborgen im Boden – und bildet die Grundlage für gesunde Wälder und intakte Lebensräume in Niederösterreich und ganz Österreich.