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Unsichtbare Helfer im Boden: Wie Pilze unsere Wälder stärken

Was im Boden passiert, entscheidet über die Zukunft unserer Wälder: Entdecken Sie, wie Pilze Bäume stärken und den Wienerwald widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen.

Orangefarbene Pilzschwämme wachsen auf einem helleren Baumstaum, der von grünen Flechten besiedelt ist.
Angesichts des Klimawandels könnten Pilze entscheidend dafür sein, wie widerstandsfähig die Wälder von morgen sind.

Während der Wald im Winter ruhig wirkt, passiert unter der Oberfläche Erstaunliches: Fein verzweigte Pilznetzwerke versorgen Bäume mit Wasser und Nährstoffen! Gerade im Zuge des Klimawandels könnten diese unsichtbaren Helfer entscheidend dafür sein, wie widerstandsfähig unsere Wälder in Niederösterreich und darüber hinaus bleiben. Ein aktuelles Forschungsprojekt der BOKU University geht dieser spannenden Frage im Wienerwald nach.

Mykorrhiza als Zusammenarbeit von Pilzen und Bäumen

Mykorrhizapilze verbinden sich direkt mit den Wurzeln der Bäume und vergrößern deren Aufnahmefläche im Boden um ein Vielfaches. So gelangen Wasser und lebenswichtige Nährstoffe auch in trockenen Zeiten effizient zum Baum. Im Gegenzug erhalten die Pilze Zucker aus der Photosynthese. Gerade bei zunehmender Trockenheit und längeren Hitzeperioden kann diese Symbiose darüber entscheiden, wie gut Wälder Stresssituationen überstehen.

Neue Erkenntnisse aus der Waldforschung

Forschungen zeigen, dass manche Mykorrhizapilze Nährstoffe sogar direkt aus organischem Material aufnehmen können. Für Bäume bedeutet das einen zusätzlichen Vorteil: Sie sind weniger abhängig von anderen Bodenorganismen, die Nährstoffe erst freisetzen müssen. Das macht sie insgesamt anpassungsfähiger gegenüber veränderten Umweltbedingungen.

Kleiner brauner Pilz wächst auf Waldboden, der von Moos dicht bewachsen ist.
Das Projekt soll zeigen, ob besonders widerstandsfähige Wälder mit stabilen Pilznetzwerken verbunden sind.

Forschung im Wienerwald: Das Projekt MykoResi

Das Projekt MykoResi untersucht alte Waldbestände im Wienerwald entlang unterschiedlicher Standorte. Mithilfe moderner DNA-Analysen erforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Vielfalt der Pilzgemeinschaften und setzen diese in Beziehung zu:

  • Baumwachstum
  • Bodeneigenschaften
  • Jahresringanalysen aus den letzten 40 Jahren

So wird sichtbar, wie Wälder auf frühere Trockenperioden reagiert haben und ob besonders widerstandsfähige Bestände mit stabilen Pilznetzwerken verbunden sind.

Die Bedeutung von Mykorrhiza für die Waldbewirtschaftung

Die Ergebnisse sind auch für die Praxis hoch relevant: Werden Wälder großflächig gerodet oder sterben ab, gehen spezialisierte Pilzgemeinschaften rasch verloren. Ohne natürliche Verjüngung verschwinden diese Netzwerke oft innerhalb weniger Jahre.

Altbäume für die Bewahrung der Pilze stehen lassen

Schonende Bewirtschaftungsformen wie "Continuous Root Forestry" setzen hier an. Dabei bleiben bewusst einzelne Altbäume stehen, um das unterirdische Netzwerk zu erhalten und an junge Bäume weiterzugeben. Auch die Wahl der Baumarten spielt eine wichtige Rolle, da sie beeinflusst, welche Pilze sich im Boden ansiedeln.

Wälder von morgen als Gesamtsystem verstehen

Klimafitte Wälder brauchen mehr als nur gesunde Bäume – sie brauchen lebendige Böden. Wer den Wald langfristig stärken will, muss das Zusammenspiel von Boden, Pilzen und Pflanzen mitdenken. Denn oft liegen die wichtigsten Lösungen genau dort, wo wir sie nicht sehen.