Den Winter verschlafen

Viele Tiere setzen in der kalten Jahreszeit auf spezielle Strategien, mit der Kälte und dem eingeschränkten Nahrungsangebot umzugehen.

Manche verschlafen den Winter ganz einfach, andere schalten um auf Ruhemodus, einige verfallen in eine Winterstarre. Wie sie über den Winter kommen, ist abhängig von der Größe der Tiere und ihrer Fähigkeit, die Körpertemperatur aktiv zu regeln.

Echter Winterschlaf? Nicht für alle!

Einen echten Winterschlaf halten bei uns nur Fledermäuse, Siebenschläfer, Igel, Hamster und Murmeltiere. Diese gleichwarmen Säugetiere verlangsamen im Herbst die Frequenz von Herzschlag und Atmung und senken die Körpertemperatur ab. Murmeltiere etwa überwintern mit drei Grad Celsius anstatt der im Sommer üblichen 40 Grad. Das Igelherz schlägt im Winter lediglich ein- bis zweimal pro Minute, während es in der aktiven Phase rund 50 Mal schlägt.

Murmeltiere wärmen sich gegenseitig

Für Murmeltiere ist es wichtig, wie sich die Familiengruppe zusammensetzt, die gemeinsam überwintert. Nur wenn genug Erwachsene und Jungtiere vorhanden sind, können auch bei unwirtlichen Außentemperaturen die vergleichsweise wohligen Bedingungen im Bau gewährleistet werden.

Weibliche Hamster gehen später schlafen

Bei den Hamstern gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Länge des Winterschlafs. Bei diesen Nagern beginnen die Weibchen später mit dem Winterschlaf als ihre männlichen Artgenossen. Wissenschaftler erklären dieses Phänomen damit, dass sich die Weibchen mehr Fettreserven im Herbst anlegen müssen, um für die Jungenaufzucht im Frühjahr gerüstet zu sein.

Fledermäuse sind die Prototypen des Winterschläfers

Auch alle Fledermaus-Arten ziehen sich in geschützte Bereiche wie Höhlen, Dachböden oder Kirchtürme zurück. Das Herz schlägt dann nur mehr etwa 12 Mal pro Minute. Beim Jagdflug sind es an die 1000 Schläge. Damit sinkt natürlich auch der Energiebedarf des Körpers. Im Winter braucht eine Fledermaus in 12 Tagen etwa so viel Kalorien wie an einem Sommertag in einer Stunde.

Manche Arten sind echte Langschläfer

Die Länge des Winterschlafs variiert von Art zu Art. Am längsten schlafen – wie schon ihr Name verrät – die Siebenschläfer, die bis zu sieben Monate in ihrem Nest verbringen. Igel bleiben bis zu vier Monate und Murmeltiere etwa sechs Monate lang im Winterquartier. Der Fettvorrat, den sich die Tiere im Herbst angefuttert haben, dient während des Winterschlafs als Energiespeicher und isoliert gleichzeitig gegen die Kälte.

Auch Winterschläfer wachen gelegentlich kurz auf

Hin und wieder wachen die Tiere während des Winterschlafs auf und verrichten ihr „Geschäft“. Dann suchen sie sich eine neue Position und schlafen weiter. Störungen in dieser Phase des Winterschlafs enden für die betroffenen Tiere in den meisten Fällen tödlich. Der Organismus ist nicht auf Aktivität eingestellt und das Hochfahren der Körperfunktionen würde enorm viel Energie verbrauchen.

Im Winter ist gut ruhen

Größere Säuger wie Biber, Eichhörnchen, Dachs oder Waschbär verlegen sich dagegen auf eine Winterruhe. Dabei wird die Körpertemperatur nur geringfügig abgesenkt, manche Arten wachen zwischendurch auf, um Nahrung aufzunehmen. Einen eigenen Weg geht der Braunbär. Er verdämmert den Winter in seiner wohlig warmen Höhle, ohne zu fressen. Einen echten Winterschlaf halten die meisten der genannten Arten nur bei extremer Kälte.

Wechselwarme Tiere setzen auf Frostschutz

Wechselwarme Tiere wie Fische, Reptilien, Amphibien oder auch Insekten versuchen erst gar nicht, die Körpertemperatur zu halten. Sie suchen sich im Winter einen frostgeschützten Ort, reduzieren die Körperfunktionen auf fast Null und erstarren gleichsam. Ein spezieller Frostschutz aus Glukose verhindert dabei das Gefrieren des Blutes.

So helfen Sie Tieren beim Winterschlaf

Entscheidend für das Überleben in der kalten Jahreszeit ist ein geeigneter Platz für den Winterschlaf. Einige offen gelassene Zugänge bei Scheunen, Dachböden oder alten Häusern bieten zahlreichen Fledermausarten ein Winterquartier. Holzstöße, Reisigstapel oder Laubhaufen sind beim Igel sehr beliebt.

Bitte nicht stören!

Dramatische Auswirkungen können Störungen beim Winterschlaf haben. Ein Aufwachen während dieser Zeit verbraucht unnötig Energie, die dann im Frühjahr fehlt. Kommt der Kreislauf etwa eines Igels im Winter durch eine Störung in Schwung, bedeutet das in der kalten, nahrungslosen Jahreszeit oft den sicheren Tod. Solche Tiere sollten unbedingt an eine fachkundige Person übergeben werden.

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