Blume des Jahres 2015: Der Gewöhnliche Teufelsabbiss

Mit der Ernennung des Gewöhnlichen Teufelsabbisses (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres 2015 für Österreich will der Naturschutzbund Österreich diese attraktive, blau blühende Wiesenblume und ihren bedrohten Lebensraum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit bringen.

TeufelsabbissmitBlaukernauge_BiancaBurtscher

Der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist eine mehrjährige Staudenpflanze aus der Familie der Geißblattgewächse und der Unterfamilie der Kardengewächse. Er erreicht eine Wuchshöhe von 20 - 100 cm. Seine Sprossachse ist im oberen Teil verzweigt und behaart.  Seine grundständigen Rosettenblätter sind gestielt, ganzrandig und lanzettlich bis elliptisch geformt.

Zwischen Juli und September stehen in kleinen endständigen, kugeligen 2 - 3 cm großen Körbchen, 50 - 80 Blüten zusammen. Diese sind meist hellblau, violett oder selten auch rosa gefärbt.  Das Rhizom (= unterirdisches Sprossachsensystem)  des Gewöhnlichen Teufelsabbisses wird bis zu 50 cm tief und stirbt im Herbst von unten ab, es sieht wie abgebissen aus. Daher rüht auch der Volksname Abbiss oder Teufelswurz. Nach einer Sage soll der Teufel aus Zorn über die Heilkraft der Pflanze das Rhizom abgebissen haben.

Standort und Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gewöhnlichen Teufelsabbisses umfasst West- und Mitteleuropa, den westlichen Teil von Asien sowie Nordafrika. Der Gewöhnliche Teufelsabbiss gilt als Indikatorart für ausgesprochen magere, feuchte sowie mäßigwarme Offenlandschaften wie beispielsweise magere Feuchtwiesen, Moore und Heidelandschaften, Uferzonen sowie Graben und Wegränder des Feuchtgrünlands. Zudem wächst Succisa pratensis vereinzelt auch in der Krautschicht lichter sowie feuchter Waldstandorte und kommt in Höhenlagen von bis zu 1.100 Metern vor.

Ökologische Funktion

Der Gewöhnliche Teufelsabbiss dient vielen Blütenbesuchern wie Bienen und Schwebfliegen im Spätsommer als wichtige Nektarpflanze. Auch verschiedene Tagfalterarten ernähren sich von seinem Nektar. Dazu gehören der Lungenenzian-Ameisenbläuling, der Braunfleckige Perlmutterfalter, das Sechsfleck-Widderchen, das vom Aussterben bedrohte Feuchtwiesen-Widderchen, das stark gefährdete Blaukernauge sowie das noch häufig vorkommende Große Ochsenauge. Zudem dient Succisa pratensis einigen Insektenarten als Raupennahrungspflanze. Die Raupen der Nachtfalterart Gamma-Eule ernähren sich unter anderem vom Teufelsabbiss. Auf feuchten Standorten haben sich die Raupen des europaweit geschützten Goldenen Scheckenfalters auf die Blattrosetten von Succisa pratensis spezialisiert.

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Succisa pratensis steht in vielen Ländern auf der Roten Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen. Hauptursache für den Rückgang ist die großflächige Intensivierung von Feuchtgrünland, die in vielen Bereichen infolge von Düngereintrag auch die letzten Magerstandorte vernichtet hat. Als Schutzmaßnahme auf verbliebenen Reliktstandorten des Gewöhnlichen Teufelsabbisses sollte eine Düngung unterbleiben und ein Nährstoffeintrag aus benachbarten Flächen verhindert werden. Bei einer Nutzungsaufgabe von Offenland an Grenzstandorten ist jedoch eine regelmäßige Biotoppflege, z.B. durch Beweidung oder Mahd erforderlich, um eine Verbuschung zu verhindern. Nicht zuletzt aufgrund des hohen Wertes der Pflanze als Nahrungsquelle für bedrohte Falterarten sollte lediglich einmal im Jahr – nach der Blütezeit – gemäht werden.