Düstere Zukunft für Insekten

Der neue Insektenatlas für Österreich verzeichnet einen Artenschwund von 75 Prozent. Die Landwirtschaft hat eine Schlüsselrolle bei ihrem Schutz.

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Der Himmelblaue Bläuling war Schmetterling des Jahres 2015. Er ist ein typischer Bewohner von Mager- und Trockenrasen. Der Insektenbestand ist seit 1990 um 75 Prozent zurückgegangen.

Der Österreichische Insektenatlas wurde von der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Naturschutzbund Österreich veröffentlicht. Er zeichnet ein düsteres Bild, ist doch seit 1990 der Insektenbestand um 75 Prozent zurückgegangen.

Insekten sind weltweit stark gefährdet

Weltweit sind rund ein Drittel aller Insektenarten bedroht, in Österreich sind etwa die Hälfte der Schmetterlinge und Heuschrecken gefährdet. Die Versiegelung der Böden, fehlende Blumenwiesen und der Einsatz von Pestiziden und andere Giftstoffen macht Insekten massiv zu schaffen. Das Insektensterben wird durch die globale Klimakrise noch weiter voranschreiten. Vielen Ökosystemen fehlt durch den Artenschwund die Möglichkeit zur Anpassung an den Klimawandel.

Ohne Insekten gibt es keine Lebensmittel

Insekten sind die Basis unserer Ökosysteme und unverzichtbar für die Sicherung unserer Ernährung. 75 Prozent der wichtigsten Kulturpflanzenarten sind von der Bestäubung durch Insekten abhängig. So drohen beim Wegfall tierischer Bestäubung einzelnen Obst- und Gemüsesorten, wie Äpfeln, Kirschen, Zwetschgen oder Gurken, Ernterückgänge von bis zu 90 Prozent. Außerdem verbessern Insekten durch das Zersetzen von abgestorbenen Pflanzenteilen sowie anderem organischen Material die Bodenqualität und regulieren Pflanzenschädlinge.

Mehr Anreize für die Landwirtschaft

Gerade in Zeiten der Corona-Krise wird deutlich, wie wichtig eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln und wie hoch die Verantwortung der Landwirtschaft ist. Sie ist eng mit Themen wie Klimakrise, Biodiversität, sauberem Wasser und gesunden Böden verbunden. Es ist daher notwendig, dass Landwirtinnen und Landwirte in Zukunft für Beiträge zu diesen Bereichen honoriert werden. GLOBAL2000 fordert von der EU-Kommission, einen Systemwandel zu einer ökologischen Landwirtschaft mit vielfältigen Strukturen zu ermöglichen, den Ausstieg aus synthetischen Pestiziden vorzubereiten und die Artenvielfalt zu fördern.

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Insektenatlas 2020

Artenreiches Österreich

Österreich ist mit etwa 40.000 Insektenarten noch ein relativ artenreiches Land. Mit rund 700 Wildbienen- und über 4.000 Schmetterlingsarten übertreffen wir sogar deutlich größere Länder wie Deutschland. Doch wie steht es aktuell um die Insekten in Österreich? Welche Auswirkungen hat Landwirtschaft auf die Insektenvielfalt und was bedeutet das Verschwinden der Insekten wiederum für die Landwirtschaft? Antworten auf diese und viele weitere spannende Fragen gibt der neue Insektenatlas 2020.

Wir für Bienen

Die Intiative „Wir für Bienen“ des Landes Niederösterreich legt den Fokus auf die Artenvielfalt in unserem Bundesland. In Niederösterreich gibt es rund 230.000 Hektar blühende Kulturen. Um diese Flächen kümmern sich Landwirte. Mit dem Anbau von verschiedenen Blütenpflanzen legt der Bauer einen wichtigen Grundstein für eine ausreichende Nahrungsversorgung.