Zum Zustand der Natur

Der kürzlich vorgestellte Bericht der EU-Umweltagentur EEA sieht Europas Natur bedroht. Die biologische Vielfalt geht weiter drastisch zurück.

Umweltschutz

Der neue EEA-Bericht zum Zustand der Natur zeichnet ein düsteres Bild der europaweiten Situation von Arten und Lebensräumen.

Intensivierung in der Landwirtschaft, unkontrollierte Ausbreitung von Siedlungsgebieten (Flächenverbrauch), Forstwirtschaft, Eingriffe in den Wasserhaushalt, Schadstoffe, invasive Arten und der Klimawandel verdrängen in den Mitgliedsstaaten viele Tier- und Pflanzenarten. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht der europäischen Umweltagentur. Er ist die bislang umfassendste Datensammlung zum Zustand der Natur und umfasst den Zeitraum 2013 bis 2018. Die Daten basieren auf Angaben der EU-Länder zum Arten- und Lebensraumschutz in ihren Gebieten.

Der Zustand der Natur wird schlechter

Einige Arten und Lebensräume können ihren Erhaltungszustand zwar halten, ein Großteil weist aber eine rückläufige Tendenz auf. Bei den 463 geschützten Vogelarten ist der Anteil in gutem Zustand auf 47 % (-5) gesunken und der in mangelhaftem oder schlechtem Zustand auf 39 % (+7) gestiegen. Bei den Lebensräumen sieht es noch düsterer aus. Dort ist der Status für 81 % nicht ausreichend und nur für 15 % gut. Wäldern geht es dabei vergleichsweise gut, während sich der Zustand bei Wiesen, Dünen und Mooren stark verschlechtert.

Österreich ist kein Umwelt-Musterland

Eine Analyse der Ranking-Daten zeichnet auch für heimische Ökosysteme ein alarmierendes Bild. 83 % der bewerteten Arten weisen einen mangelhaften bis schlechten Zustand auf, womit Österreich nur auf dem vorletzten Platz von 28 untersuchten Ländern liegt. Zudem befinden sich 79 % der bewerteten Lebensräume in keinem guten Zustand. Auch hier landet Österreich mit Platz 18 nur im hinteren Mittelfeld.

Brüssel muss handeln

Auch in Brüssel ist man sich der Lage bewusst. Die Ziele der Biodiversitätsstrategie 2020 wurden klar verfehlt. Das erklärte Ziel, den Verlust der Biodiversität in der EU zu stoppen und umzukehren, liegt in weiter Ferne. Die Antwort muss ein ambitionierter Aktionsplan zum Schutz der biologischen Vielfalt und eine Reduktion des viel zu hohen Bodenverbrauchs sein.

Bodenschutzpaket

Das NÖ Bodenpaket soll umfangreiche Neuwidmungen verhindern und wertvolle Lebensräume erhalten.

Fonds für mehr Artenvielfalt

Österreich ist ein Land der Vielfalt und zählt mit rund 68.000 Arten zu den artenreichsten Ländern Mitteleuropas. Die angekündigte Einrichtung eines Biodiversitätsfonds durch das Umweltministerium ist ein erster Schritt zur Erhaltung. 2021 soll der Fonds mit 5 Millionen Euro dotiert werden und vor allem für Forschung und Monitoring sowie Bewusstseinsbildung verwendet werden. Die finanziellen Mittel sollen in den folgenden Jahren steigen.

1 Milliarde pro Jahr sind notwendig

Naturschutzorganisationen wie WWF, BirdLife und Naturschutzbund, aber auch der Umweltdachverband sehen den Fonds positiv. Es müssen jedoch dringend weitere Maßnahmen folgen. Vom Monitoring über die Renaturierung bis zum vorbeugenden Schutz von Ökosystemen gibt es massive Defizite. Um die Biodiversitätskrise einzudämmen, ist daher nach Schätzung der ExpertInnen mittelfristig jährlich eine Milliarde Euro notwendig.

NÖ Bodenpaket ist geschnürt

Niederösterreich ist vom Verlust von Natur nicht ausgenommen. Doch im Naturland wird versucht, mit verstärkten Bemühungen den Trend zu stoppen. Mit einem neuen Bodenpaket ist der Weg frei für das Ende von umfangreichen Neuwidmungen und den Schutz von wertvollen Lebensräumen, Wiesen und Ackerflächen. Die Zersiedlung der Orte soll bekämpft und verkehrsintensive Betriebe unter die Lupe genommen werden. Außerdem werden die Richtlinien für die Flächenwidmungspläne im Sinne des Klima- und Bodenschutzes modernisiert. Damit sollen unter anderem begrünte Fassaden als natürliche Klimaanlagen und Lebensräume für Bienen und Schmetterlinge gefördert werden.

Schutzgebietsbetreuung wirkt

Mit der NÖ Schutzgebietsbetreuung wird seit 6 Jahren an der Verbesserung und Erhaltung von wertvollen geschützten Naturflächen gearbeitet. Gemeinsam mit ExpertInnen, GrundeigentümerInnen, BewirtschafterInnen, Gemeinden und Freiwilligen konnten so Europa- und Naturschutzgebiete sowie Naturdenkmäler in ihrem Bestand gesichert werden. Das Engagement für diese Flächen in Niederösterreich steigt Jahr für Jahr. Waren es 2018 noch 34 Pflegeeinsätze, so fanden im vergangenen Jahr 49 Aktionen statt.