Winter bringt Natur ins Schwitzen

Der fehlende Winter hat Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere im Naturland.

Schnee und frostige Temperaturen sind heuer auch im Gebirge Mangelware.

Schnee und frostige Temperaturen sind heuer auch im Gebirge Mangelware.

Die Temperaturen im zweistelligen Plusbereich und kaum Schnee auch in den alpinen Bereichen machen nicht nur den Wintersportlern Kopfzerbrechen, sondern sie bringen auch die Tier- und Pflanzenwelt durcheinander.

Milde Winter nehmen zu

Der Winter 2021/ 2022 lag laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik um 1,3 Grad über dem Mittel der letzten 30 Jahre und um 2,6 Grad über dem Mittel der Klimaperiode 1961 bis 1990. Es ist damit der sechzehnte Winter in Folge, der wärmer als das Mittel von 1961 bis 1990 ist. Im Tiefland ergibt das den achtwärmsten Winter der Messgeschichte. Nicht ganz so extrem war es mit Platz 22 auf den Bergen. Auch heuer fühlt sich die angeblich kalte Jahreszeit rekordverdächtig an.

Schnee im Tal ist selten

Unter 1000 Meter Seehöhe gab es im letzten Winter in fast allen Bundesländern deutlich weniger Tage mit Schneedecke und weniger Neuschnee als im Mittel der letzten 30 Jahre. Am größten waren die Abweichungen in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland mit rund 40 bis 70 Prozent weniger Schneedeckentagen und Neuschneesumme.

Die verfrühte Blüte kann vor allem in der Landwirtschaft zu großen Schäden führen.

Die verfrühte Blüte kann vor allem in der Landwirtschaft zu großen Schäden führen.

Natur spielt verrückt

Doch wie wirkt sich die verrückte Wetterlage auf die Natur aus. Die warmen Temperaturen lassen Pflanzen, Bäume und Sträucher viel zu früh austreiben. Besonders Hasel, Erle, Forsythie, Schneeball und Seidelbast reagieren schnell auf milde Witterung und bilden schon im Dezember Knospen. Beliebte Frühlingsboten wie Schneeglöckchen, Krokusse und Primeln beginnen Anfang Februar schon zu blühen. Kommt dann doch noch die große Kälte, erfrieren die jungen Triebe.

Wärme zehrt an den Kräften

Gerade für diese Pflanzen ist das vorerst kein Problem, da sie im Frühjahr ein zweites Mal austreiben können. Dauert die Warmphase im Winter jedoch länger, bilden die Pflanzen Blüten und Blätter. Für einen zweiten Austrieb reichen dann oft die Energiereserven nicht mehr. Die Pflanzen sind weniger widerstandsfähig gegen weitere Wetterkapriolen oder Befall durch Pilze und Insekten. 

Ernteausfälle in der Landwirtschaft

Auch für die Landwirtschaft hat der milde Winter katastrophale Folgen. Feldfrüchte sind zu früh dran und können bei späterem Frost erfrieren. Besonders bei den früh blühenden Obstbäumen hat das fatale Konsequenzen wie etwa erhebliche Ernteausfälle. Die meisten Obstbäume bilden nämlich erst im nächsten Frühjahr wieder Blüten.

c-j

Viele Vögel zählen zu den Nutznießern der winterlichen Wärmeperiode.

Insekten auch im Winter aktiv

Insektenflug im Winter ist bei diesen Temperaturen keine Seltenheit. Die milde Luft lockt Wildbienen und Hummeln früher als sonst hervor. Das Nahrungsangebot ist jedoch noch gering. Finden die Tiere nicht ausreichend Futter, kann es für sie gefährlich werden. Andere freuen sich hingegen über den milden Winter. Blatt- und Schildläuse sterben nur bei starkem Frost ab. Viele überleben und plagen in der nächsten Saison die GartenbesitzerInnen. Auch Zecken reicht eine Bodentemperatur von sieben Grad, um aus ihren Winterquartieren zu kommen.

Manche Gruppen leiden…

Für Stechmücken hingegen ist die ungewohnte Wärme von Nachteil. Pilze, Bakterien und andere Parasiten setzen den Insekten zu und dezimieren sie im Winter. Was für uns Menschen weniger lästige Stiche bedeutet, hat aber Auswirkungen für die Nahrungskette. Stechmücken und ihre Larven sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Tiergruppen.

… andere freuen sich

Zu den Nutznießern der winterlichen Wärmeperiode zählen die Vögel. Je milder es ist, umso weniger Energie verbrauchen sie im Winter. So manche Zugvögel ändern ihr Verhalten und machen sich nicht mehr auf in Richtung Süden. Kurzstreckenzieher wie Kraniche, Hausrotschwanz oder Mönchsgrasmücke werden zunehmend zugfaul. Bei Arten, die weiter ziehen wie Storch, Nachtigall oder Kuckuck, ist der Zug genetisch stärker fixiert. Sie fliegen weiterhin in den Süden.

Manche verschlafen den milden Winter

Für Winterschläfer bedeuten die milden Temperaturen nur vereinzelt Schwierigkeiten. Arten wie die Wasserfledermaus verbringen den Winter in klimakonstanten Quartieren. Andere Arten wie die Zwergfledermaus sind bei diesen Temperaturen auch im Winter unterwegs. Probleme gibt es für Igel, Fledermäuse und Bilche nur bei längeren milden Phasen, die sich mit Kälteeinbrüchen abwechseln. Für jedes Aufwachen aus dem Winterschlaf werden Energiereserven angezapft, die dann unter Umständen nicht mehr ausreichen, um den Winter gut zu überstehen.