Wandern für das Klima

Eine Tour auf den Ötscher vermittelte Wissen über alpine Pflanzen und die Folgen des Klimawandels.

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Eine Tour auf den Ötscher vermittelte Wissen über alpine Pflanzen und die Folgen des Klimawandels.

Radiogärtner Johannes Käfer und Klimatologe Andreas Jäger bestiegen auf Einladung des Naturparks Ötscher-Tormäuer mit rund 60 interessierten Personen von Lackenhof aus den Ötscher. Das markante Bergmassiv nimmt aus vegetationsökologischer und meteorologischer Sicht eine besondere Stellung ein.

Einblicke in die Besonderheiten der alpinen Pflanzenwelt

Um die komplexen Zusammenhänge zwischen alpiner Flora, Wetter und Klima besser verstehen zu können, veranstaltete der Naturpark Ötscher-Tormäuer im Rahmen von 100 Jahre Niederösterreich eine Wanderung im Zeichen des Klimawandels. Die Experten Andreas Jäger und Johannes Käfer fanden entlang des Weges spannende Plätze und Pflanzen, um auf anschauliche Weise Einblicke in die Vielfalt und Besonderheiten der alpinen Pflanzenwelt sowie die Auswirkungen des Klimawandels und die Folgen für die Flora zu geben.

Klimawandel und Biodiversitätskrise hängen zusammen

Die Wanderung zeigte eindrücklich, wie Klimawandel und Biodiversitätskrise zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Unter den Gästen fanden sich neben vielen Interessierten Meschen aus dem Mostviertel zum Beispiel auch Gerhard Wotawa, Führungskraft in der ZAMG und gleichzeitig Obmann des Climate Change Centers Austria.

Pflanzen greifen tief in die Trickkiste

Viele Pflanzen der subalpinen Höhenzone des Ötscher mussten sich über die Jahrtausende an die extremen Bedingungen anpassen. Faktoren wie geringes Nährstoffangebot, kurze Zeitfenster, in denen Wachstum und Fortpflanzung möglich sind sowie lange Winter mit Schnee, Eis und viel Wind führten dazu, dass mache Pflanzen tief in die Trickkiste greifen mussten, um überhaupt am Berg überleben zu können. So bildet die Silberwurz mit ihren acht Blütenblättern einen kleinen Parabolspiegel, um das Sonnenlicht in der Blüte zu fokussieren. So werden von der Wärme Insekten in die Blüte gelockt. Die Blüte wird bestäubt und die Pflanze kann sich so fortpflanzen.

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Andreas Jäger, Renate Rakwetz (Bürgermeisterin Gaming), Klaus Wanninger (Lacon), Johannes Käfer, Gerhard Wotawa (ZAMG), Florian Schublach (Naturpark Ötscher-Tormäuer)

Baumgrenze wandert nach oben

Ein besonderes Augenmerk legten die beiden Experten auf die Baumgrenze. Durch die Erwärmung des Klimas können sich heimische Gehölze wie Schwarzerlen, Vogelbeeren oder Fichten immer höher am Ötscher ansiedeln. Das kann dazu führen, dass sich die Landschaft und die Artenzusammensetzung in den kommenden Jahrzehnten komplett ändert.

Es war noch nie so warm wie heute

Durch die Erforschung von Jahresringen können genaue Rückschlüsse auf das Klima vergangener Zeiten geschlossen werden. Jahresringe beschreiben die Wuchsbedingungen eines Baumes. So lassen sich Kälte- und Wärmeperioden oder auch Niederschlagsmengen aus den Jahresringen ablesen. Einzelne Zeitreihen dieser Jahresringanalysen reichen 12.000 Jahre zurück. Damit lässt sich eine klare Aussage treffen: Seit es Menschen auf diesem Planeten gibt, war es nie so warm wie heute.

Forschung rund um Klimawandel und Biodiversität

Die Bemühungen des Naturparks Ötscher-Tormäuer, sich den klimatischen Herausforderungen zu stellen, sind für eine Trendwende wichtig. Neben den Aktivitäten der KLAR!-Region, in denen regionale Anpassungswege unterstützt werden, nimmt auch das Klimaforschungszentrum Ötscher konkrete Formen an. Mit dem Vorhaben soll disziplinenübergreifende Forschung zu zukunftweisenden Fragen rund um Klimawandel und Biodiversität entstehen. Damit hat die Region die einmalige Chance, wissenschaftliche Daten mit den Bedürfnissen und Fragestellungen der in der Region arbeitenden Menschen zu verknüpfen.