Österreichs geheimer Kältepol

Lunz am See gilt als der kälteste Ort in Mitteleuropa. In einer Doline am Dürrenstein wurde die tiefste jemals gemessene Temperatur festgestellt.

In der Nähe des Ötschers liegt Lunz am See, der kälteste Ort in Mitteleuropa.

Man muss nicht nach Sibirien oder auf den Himalaya reisen, um es so richtig frostig zu haben. Es reicht ein Ausflug zur richtigen Zeit in das idyllische Lunz am See im Mostviertel. Dort wurde im Februar 1932 mit minus 52,6 °C der absolute Temperaturrekord in Mitteleuropa gemessen.

Kältester Winter der Geschichte

In vielen Landesteilen purzelten damals die Temperaturen auf unter minus 30 °C. Den Tiefstwert für eine bewohnte Region schaffte damals Zwettl mit minus 36,6 °C. Im Grünloch, einer Doline am Dürrenstein-Plateau auf 1.270 Metern Seehöhe, zeigten die Messgeräte die legendären minus 52,6 °C an. Ein tieferer Wert wurde vorher und nachher in Österreich nicht mehr gemessen. Doch extreme Temperaturen sind an diesem Ort keine Seltenheit. Erst 2003 wurden lebensfeindliche minus 47,1 °C abgelesen.

Zusammenspiel verschiedenster Faktoren

Zum einen liegt das Grünloch in einer Höhe von fast 1.300 Metern, zum anderen hat es eine kesselartige Form. Der Durchmesser beträgt oben knapp 500 Meter, während der Boden der Doline nur mehr 100 Meter misst. Für Rekordwerte muss sich aber auch polare Kaltluft in diesem Kessel sammeln sowie klarer Himmel und Windstille herrschen.

Garant für Temperaturrekorde

Eine Doline ähnelt im Querschnitt einer nicht zu tiefen Bratpfanne, in der sich die arktisch kalte Luft sammeln kann. Ist es wolkenlos, kann die Kälte ungehindert abgestrahlt werden. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch Schnee. Kann sich die kalte Luft bei Windstille nicht mit den darüber liegenden wärmeren Luftschichten vermischen, stehen die Zeichen auf Gefriertruhe. Denn die Doline kühlt die Luft selbst ab, und wegen der Bratpfannenform gibt es auch keinen Luftaustausch, weil es keinen Ausgang gibt. Lange Winternächte verstärken den Vorgang.

Bestimmter Bodentyp notwendig

Der Begriff Doline stammt übrigens aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Tal“. Die größten Dolinen finden sich in Venezuela und Mexiko. Voraussetzung für die Bildung ist Karstgestein. Dolinen entstehen durch Lösungsvorgänge im Boden. Meist saures Oberflächenwasser löst den Kalkboden und bildet die charakteristische Form der Dolinen. Finden die Lösungsvorgänge unterirdisch im Boden statt, können sich durch das Einstürzen des darüber liegenden Gesteins sogenannte Einsturzdolinen bilden.

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