Notfallplan für Süßwasser-Ökosysteme

Flüsse, Seen und Feuchtgebiete zählen zu den artenreichsten Ökosystemen. Doch die Artenvielfalt nimmt dramatisch ab, weil koordinierte Maßnahmen fehlen.

Ötscherbach

Flüsse, Bäche, Seen und Feuchtgebiete sind vom Verlust der Artenvielfalt besonders betroffen.

Internationale Forscher haben nun einen Notfallplan zum Schutz und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in den Gewässern vorgelegt. Süßwasser-Ökosysteme bedecken weniger als ein Prozent der Erdoberfläche, beherbergen aber mehr als zehn Prozent aller Arten und ein Drittel aller Wirbeltierarten.

Dramatischer Rückgang der Artenvielfalt in Gewässern

Zugleich bieten diese Ökosysteme eine zentrale Lebensgrundlage für Milliarden von Menschen, etwa für die Trinkwasserversorgung, die Bewässerung in der Landwirtschaft oder den Fischfang. Doch diese biologische Vielfalt und deren Ökosystemleistungen sind massiv bedroht. Feuchtgebiete verschwinden dreimal schneller als Wälder und der Rückgang der biologischen Vielfalt in den Gewässern ist doppelt so stark wie am Land oder im Meer.

Viele Arten vom Aussterben bedroht

Von den knapp 30.000 bisher für die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN bewerteten und von Gewässern abhängigen Arten sind 27 Prozent vom Aussterben bedroht. Darunter sind schätzungsweise 62 Prozent der Schildkröten, 42 Prozent der Säugetiere oder jede dritte Amphibienart. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, schlagen die Wissenschafter sechs "vorrangige Maßnahmen" vor, um die Hauptursachen für den Verlust der Biodiversität zu bekämpfen.

Laubfrosch

Von den weltweit knapp 30.000 für die Rote Liste bewerteten und von Gewässern abhängigen Arten sind 27 Prozent vom Aussterben bedroht.

Sechs vorrangige Maßnahmen sollen die Trendwende bringen

Dazu zählen Maßnahmen zur Sicherung einer Mindestwassermenge in den Bächen und Flüssen, zur Verbesserung der Wasserqualität sowie zum Schutz und zur Wiederherstellung von wichtigen Lebensräumen. Gerade der ungebremste Kraftwerksbau gefährdet derzeit die letzten frei fließenden Gewässer weltweit, aber auch in Österreich oder am Balkan.

Mehr Nachhaltigkeit gefordert

Die Forscher sprechen sich zudem für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen in den Gewässern aus, etwa in der Fischerei oder im Abbau von Sand und Schotter. Auch die Einschleppung und Ausbreitung von nicht einheimischen Arten muss unterbunden und besser kontrolliert werden. Schließlich empfehlen die Wissenschafter, die Vernetzung von Flüssen mit begleitenden Aulandschaften und dem Grundwasser zu verbessern. Diese Vernetzung gilt als Maß für den ökologischen Zustand eines Flusses und der mit ihm verbundenen Ökosysteme. Sie fehlt bei der Hälfte aller Flüsse weltweit.