Zeitung auf einer Wiese

Noch Steinkäuze im östlichen Mostviertel?

Presseaussendung, 24. März 2020

Steinkauz

Der Steinkauz zählt zu den seltensten Brutvögeln in Niederösterreich. Umso erfreulicher, dass sogenanntes „Verhören“ beim Aufhängen von Nistkästen rund um Hürm, St. Leonhard und Kilb Hinweise auf mehrere Reviere brachte.

Schätzungen zufolge brüten derzeit noch 50 Steinkauzpaare in Niederösterreich, die meisten von ihnen im Pulkautal, am Wagram und im Kremser Hügelland. „Die Hinweise auf neue Reviere im östlichen Mostviertel geben Hoffnung, dass die Schutzmaßnahmen für den Steinkauz auch hier noch rechtzeitig gesetzt werden können und der früher im Mostviertel weitverbreitete Vogel hier wieder eine Heimat findet“, so der für den Naturschutz im Land zuständige LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Der Steinkauz kommt in Niederösterreich nur noch in wenigen Gebieten mit ausreichendem Nahrungsangebot und Brutmöglichkeiten vor. Er ist im oberen Weinviertel, im Pulkautal, entlang des Wagrams, südlich der Donau zwischen Schwechat und Hainburg und in einer kleinen Teilpopulation im östlichen Mostviertel zu finden.

Nistkästen ersetzen natürliche Bruthöhlen

Als Höhlenbrüter braucht der kleine Eulenvogel alte hochstämmige Mostobstbäume mit Höhlen oder alte Gebäude, die ihm als Brutplatz dienen. Weil er immer weniger natürliche Brutplätze vorfindet, wurden in den letzten Jahren in den Verbreitungsgebieten mardersichere Nistkästen angebracht. Zuletzt montierten Freiwillige des Vereins Lanius und der Steinkauz-Experte Frank Grinschgl im Februar weitere zehn Nistkästen im östlichen Mostviertel. Dabei stießen sie rund um Hürm, St. Leonhard und Kilb auf noch unbekannte Reviere von Steinkäuzen. „Wir imitieren den Ruf des Steinkauzes mit einer Pfeife und ‚verhören‘, ob uns ein Steinkauz antwortet. So sind wir auch auf die neuen Reviere im östlichen Mostviertel gestoßen. Das ist besonders erfreulich, weil wir bisher im Mostviertel nur von einer kleinen Restpopulation mit wenigen Brutpaaren ausgegangen sind“, erklärt Grinschgl, der sich gemeinsam mit dem Verein Lanius für den Schutz der Steinkäuze einsetzt.

„Die Steinkäuze nehmen die künstlichen Nisthilfen sehr gut an. Rund zwei Drittel brüten ab April darin. Wir hoffen, dass sich auch die Population im Mostviertel dadurch stabilisieren lässt und sich erholen kann“, so Franz Maier, Bereichsleiter “Natur & Ressourcen” der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ. Allerdings seien Bruthöhlen alleine nicht genug, auch der Lebensraum müsse passen. Beispielweise sind kurzrasige gemähte oder beweidete Streuobstwiesen für den Steinkauz förderlich. Er nutzt zudem Mostobstbäume als Ansitz- und Rufwarten und auch die Paarung findet dort statt.

Steinkäuze brauchen Unordnung

Auch ein gewisses Maß an Unordnung ist für den Steinkauz überlebenswichtig. Stadeln, Schuppen, Holzstöße und Gemäuer bieten dem Steinkauz und seinen Jungen Rückzugsorte und Bruthöhlen. Dort fühlen sich auch Mäuse, eine wichtige Nahrungsquelle für Steinkäuze, wohl. Mäuse- und Rattengift sollte vermieden werden, da das Gift über die Beutetiere auch die Steinkäuze vergiftet. Reduzierter Pestizideinsatz fördert Insekten, die ebenfalls eine wichtige Nahrung für den Steinkauz sind. Sparsamer Einsatz von Düngemitteln und regelmäßiges Mähen der Streuobstwiesen erleichtern dem Steinkauz zudem die Nahrungssuche.

Steinkauz-Paten pflegen und warten Nistkästen

Über 20 Freiwillige sind letztes Jahr dem Aufruf der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ gefolgt und haben eine Patenschaft für Steinkäuze übernommen. Ihre Aufgabe ist, die Nistkästen im Herbst von Verunreinigungen durch den Steinkauz selbst sowie vom Nistmaterial anderer Vögel zu säubern und auch sonst auf die Funktionstüchtigkeit der Kästen zu achten.

Für Rückfragen:
*Die Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ
Simon Slowik
simon.slowik@enu.at, www.enu.at
+43 2742 219-150

Foto: Hinweise auf bestehende Steinkauz-Reviere nun auch rund um Hürm, St. Leonhard und Kilb
Bildnachweis: Karl Huber

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