Neue Moosart im Thayatal entdeckt

Der Nationalpark Thayatal-Podyji gilt als Hotspot der Artenvielfalt. ForscherInnen fanden dort vor kurzem fünf ausgestorbene und verschollene Moosarten.

thayaufer mit moosen

Das rund 7.700 Hektar große Gebiet des Nationalpark Thayatal hat eine enorme Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt.

Im grenzüberschreitenden Nationalpark ist fast die Hälfte aller österreichischen Pflanzenarten zu finden. Das rund 7.700 Hektar große Gebiet im Grenzgebiet der Thaya bei Hardegg hat damit eine enorme Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt.

Sensationsfund im Thayatal

ForscherInnen der Uni Wien und der Universität für Bodenkultur gelang im Rahmen einer Untersuchung zur Moosflora ein Sensationsfund. An einem der vielen Felsstandorte konnten sie im spärlichen Bewuchs das Spitzmützenmoos (Oxymitria incrassata) nachweisen. Die Art gilt in Österreich seit mehreren Jahrzehnten als ausgestorben und kommt in Mitteleuropa nur mehr in Tschechien mit wenigen Restpopulationen vor.

Die letzten Nachweise sind über 40 Jahre her

Das Spitzmützenmoos ist ein trockenheitsliebendes Lebermoos, das normalerweise im Mittelmeergebiet, den Steppenlandschaften Osteuropas und in Nordafrika vorkommt. Im pannonisch geprägten Thayatal besiedelt es silikatreiche Felsen, die im Sommer durch große Hitze und extreme Trockenheit beeinflusst sind. Die letzten Nachweise gab es in Österreich 1894 mit einem Fund in der Wachau und 1978 in den Hainburger Bergen. An beiden Standorten ist das Moos inzwischen längst verschollen und konnte auch bei gezielten Nachsuchen nicht gefunden werden.

Oxymitra incrassata

Das Spitzmützenmoos (Oxymitria incrassata) galt in Österreich als ausgestorben und wurde nun im Nationalpark Thayatal wieder entdeckt.

Zentrum der Artenvielfalt

Dieser Fund unterstreicht die hohe Bedeutung des Nationalparks Thayatal für die Biodiversität in Österreich. Gemeinsam mit dem zweiten niederösterreichischen Nationalpark Donau-Auen ist er Lebensgrundlage von unzähligen Tieren und Pflanzen. Aufgrund der geologischen Vielfalt gibt es hier sehr viele verschiedene Moose. Auf Felsen und Bäumen, am Waldboden oder in den Trockenrasen lassen sich in der Tallandschaft der Thaya fast 300 Moosarten nachweisen.

Weitere seltene Moosarten wurden gefunden

Neben der hohen Vielfalt freuen sich die ForscherInnen über zahlreiche sehr seltene Arten, die bei den Freilanderhebungen gefunden wurden. Das Hübsche Hinterzahnmoos (Enthostodon pulchellus) war früher weiter verbreitet, wurde allerdings zuletzt vor 30 Jahren im Leithagebirge bestätigt. Diese Art kommt ebenfalls auf Trockenrasen vor, bevorzugt allerdings kalkreiches Gestein. Auch weitere extrem seltene und gefährdete Arten wie das Wulstige Sternlebermoos (Riccia intumescens) oder das Blattlose Koboldmoos (Buxbaumia aphylla) konnten die Expertinnen ausfindig machen.

Moose sind Überlebenskünstler

Die unscheinbaren Pflanzen wachsen dort, wo andere Pflanzen nicht mehr gedeihen, weil es zu nass, zu trocken oder zu kalt ist. Moose waren dabei, als die ersten Pflanzen vor ungefähr 450 Millionen Jahren das Festland eroberten und sind heute noch wichtiger Bestandteil unserer Flora. Moose erfüllen vielfältige Aufgaben in der Natur, vom Wasserspeicher in trockenen Wäldern bis hin zum Lebensraum für andere Lebewesen, darum sollte man sie einfach wachsen lassen und nicht entfernen. Die Untersuchung im Nationalpark Thayatal erfolgte im Rahmen eines vom Klimaministerium und der Europäischen Union finanzierten Projektes, welches die hohe Artenvielfalt im Nationalpark Thayatal erheben und zu schützen soll.