Natur im Schwitzkasten

Der vergangene Dezember 2019 war der zweitwärmste seit Beginn der Klimaaufzeichnungen. Der Klimawandel hat massiven Einfluss auf die Natur.

Schneeglöckchen im Schnee.

Durch die milden Winter verschieben sich die Blütezeiten von Pflanzen.

(02.12.2020) Die hohen Temperaturen in der "kalten" Jahreszeit haben für Tiere und Pflanzen dramatische Folgen. Die Blütezeiten von Pflanzen verschieben sich, Winterschläfer kämpfen mit Schaflosigkeit und Zugvögel verpassen den Abflug.

Frühlingsgefühle mitten im Winter

Die ungewöhnliche Winterwärme läßt viele Sträucher schon im Dezember ausschlagen. Kommt dann doch noch ein Frost, sind die Pflanzen geschädigt und treiben im Frühjahr nicht mehr aus. Auch die ersten Frühjahrsblüher wie Hasel, Erle und Schneeglöckchen sind ihrer Blütezeit um Wochen voraus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahrzehnten bis zu 30 Prozent der einheimischen Pflanzenarten verlieren könnten, weil sie sich nicht an die veränderten Bedingungen anpassen können.

Winterschläfer erwachen zu früh

Wenig besser geht es Amphibien und Insekten bei zu milden Temperaturen im Spätwinter. Kröten, Frösche und Molche verlassen bei zehn Grad ihre Winterquartiere und begeben sich auf Laichwanderung. Kehrt dann der Frost zurück, ist es um sie geschehen. Schmetterlinge, die zu früh erwachen, finden keine passenden Blüten und verhungern. Ein ähnliches Schicksal blüht Säugetieren wie etwa dem Igel, die aus dem Winterschlaf geholt werden. Einmal wach, kostet die Umstellung des Stoffwechsels bei sinkenden Temperaturen enorm viel Energie.

Zugvögel im Flug.

Der Klimawandel bringt die Gewohnheiten von Zugvögeln gehörig durcheinander.

Zugvögel fliegen später oder gar nicht weg

Jährlich sind weltweit rund 50 Milliarden Zugvögel unterwegs. Zweck der Übung ist die Übersiedlung in den warmen Süden, um die langen Tage für die Aufzucht der Jungen zu nutzen. Der Klimawandel bringt diese Gewohnheiten gehörig durcheinander. Manche Vögel bleiben zuhause, manche brechen Wochen früher, andere später auf. Viele Arten sind in ihrem Bestand gefährdet.

Globale Flaute schwächt die Vögel

Zugvögel leiden aber auch an anderen Auswirkungen des Klimawandels. Auf ihren oft tausende Kilometer langen Flügen machen sich die Tiere die Winde zunutze. Zugvögel überqueren die zweitausend Kilometer über die Sahara nicht in einem Stück, sondern fliegen nachts. Am Tag lassen sie sich durch die feuchten Luftmassen und Passatwinde nach Süden treiben. Mit dem Klima ändern sich aber auch die Windbedingungen.

Spezialisten stehen am Rande des Abgrundes

Eng im wahrsten Sinne wird es für viele spezialisierte Arten. Schneehühner sind an das Leben im deckungslosen Hochgebirge angepasst. Wandert die Waldgrenze hinauf, verlieren sie ihren angestammten Lebensraum und verschwinden. Der heimische Trauerschnäpper überwintert im Zentralafrika. Kehrt er aus Afrika zurück, ist durch den vorverlegten Frühling der Höhepunkt der Insektendichte schon vorbei. Einige europäische Populationen dieser Art haben um bis zu 90 Prozent abgenommen.

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