Nachtschwärmer im Naturland

Manche Tiere sind nachtaktiv und erwachen zum Leben, wenn andere schlafen. Die Natur schafft damit neue Nischen. Wir stellen die Strategien der lichtscheuen Gesellen vor.

Mopsfledermaus

Die Mopsfledermaus jagt ausschließlich in der Nacht. Dabei verwendet sie Schallwellen zur Ortung ihrer Beute.

Wer in der Dunkelheit hinaus in die Natur geht, bemerkt schnell: Nicht alle Lebewesen schlafen in der Nacht. Manche Tiere hört man nur. Andere tauchen lautlos auf und verschwinden wieder in der Finsternis. Überraschend viele Lebewesen verlegen ihren Aktivitätszeitraum in die Dämmerung oder in die Nacht. Doch warum sind Tiere nachtaktiv?

Die im Dunkeln sieht man nicht

Die Nachtschwärmer im Tierreich sind gut angepasst an das Leben ohne Licht. Hör- und Geruchssinn sind bei ihnen überdurchschnittlich entwickelt, während die Augen oft zweitrangig werden. Der Maulwurf, übrigens zum Tier des Jahres 2020 gewählt, kann bei seinen Streifzügen unter Tag fast völlig darauf verzichten. Er ortet seine Beute, meist Käfer, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Regenwürmer, ausschließlich durch seine feine Nase.

Die Kühle der Nacht ist lebensrettend

Manche Arten meiden das Tageslicht aus gesundheitlichen Gründen. Frösche können durch grelles Licht vorübergehend erblinden. Viele wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht aktiv regulieren können, meiden bei hohen Temperaturen den Tag, um nicht einen Hitzekollaps zu erleiden. In der kühleren Nacht heizt sich ihr Körper weniger auf und sie verbrauchen weniger Energie für „Sonnenschutzmaßnahmen“. Wirbellose wie Regenwürmer oder Schnecken vertrocknen in der Sonne, wenn sie nicht rechtzeitig die rettende Finsternis erreichen.

Die Nacht bietet Schutz vor Feinden

Kleine Tiere versuchen sich durch Nachtaktivität vor ihren Fressfeinden zu schützen. Igel, Mäuse und viele Insektenarten sind im Dunkeln sicherer vor großen Raubtieren. Einige folgen daher ihrer Beute und werden selber nachtaktiv. Eulenvögel wie Uhu, Waldkauz oder Schleiereule aber auch Fuchs, Katze oder Dachs haben gefinkelte Strategien entwickelt, um an ihre Opfer zu gelangen.

Auf leisen Federn der Beute entgegen

Eulenvögel besitzen ein sehr feines Gehör. Mit den speziell angeordneten Ohren können sie das Rascheln einer Maus im Gras über mehrere Meter orten. Durch ein besonderes Gefieder sind sie hingegen für ihre Beute beim lautlosen Anflug praktisch nicht wahrzunehmen. Erst kurz vor dem Zuschlagen registrieren Eulen die Beute mit ihren großen lichtempfindlichen Augen.

Luchs

Katzen wie etwa der Luchs haben speziell gebaute Augen, mit denen sie bei Nacht besonders gut sehen können.

Lautlose Jäger der Nacht

Auch Fledermäuse bewegen sich lautlos durch die Nacht auf der Suche nach Insekten, die ihre bevorzugte Beute sind. Sie orientieren sich in der Dunkelheit mit Hilfe der Echoortung. Die Tiere stoßen dabei für den Menschen nicht hörbare Schallwellen aus, die von der Umgebung zurückgeworfen werden. Das Gehirn verarbeitet die gewonnenen Daten zu einem „Hör-Bild“, mit dem Fledermäuse auch in der Nacht „sehen“ können.

Augen wie ein Luchs

Auf ihre guten Augen können sich hingegen Katzen bei ihren nächtlichen Raubzügen verlassen. Sie besitzen weitaus mehr Stäbchen als der Mensch. Diese Rezeptoren sind auf der Netzhaut für das Schwarz-Weiß-Sehen zuständig. Außerdem reflektieren die Augen der Katze das Licht so, dass es das wenige Restlicht verstärkt. Das ist übrigens auch der Grund, warum Katzenaugen in der Nacht leuchten.

Der Mensch treibt die Tiere in die Nacht

Forscher veröffentlichten im Jahr 2018 eine Studie, für die sie 62 verschiedene Arten auf 6 Kontinenten untersucht hatten. Sie stellten darin einen bedenklichen, weltweiten Trend unter Säugetieren fest: Immer mehr Arten werden nachtaktiv, um dem Mensch aus dem Weg zu gehen. Räumlich auszuweichen wird für sie aufgrund des Verlustes von Lebensraum immer schwieriger.

Diese Veränderungen können laut der Studie Nahrungsketten durcheinander bringen, weil sich nicht alle Arten gleich gut umstellen können. Viele werden durch den Kontakt mit dem Menschen unter die Räder kommen. Es wird aber auch welche geben, die ihr Verhalten so erfolgreich umstellen, dass sie sogar die Chancen nützen können, die wir ihnen unbeabsichtigt bieten. Wildschweine, die in der Nacht Schrebergärten plündern, machen es vor.