Luchs kehrt in Naturland zurück

Fast ein Jahrhundert nach der Ausrottung ist der Luchs in unsere Wälder zurückgekehrt. Zwei Tiere wurden im Gebiet von Schneeberg und Rax gesichtet.

Luchs aufgenommen mit einer Wildkamera

Wildkameras haben einen Luchs bei seinen nächtlichen Streifzügen im Rax-Schneeberg-Gebiet fotografiert.

(01.02.2021/ MF) Nach eindeutigen Resten von Beutetieren im vergangenen Jahr wurden nun in den Quellschutzwäldern der Stadt Wien zwei Luchse unterschiedlichen Geschlechts nachgewiesen. Die größte Katzenart Europas ist akut vom Aussterben bedroht, was dem Fund eine große Bedeutung gibt.

Luchse regulieren den Wildbestand

Der Luchs gehört zum natürlichen Artenspektrum in unseren Wäldern und trägt zur Erhaltung eines ökologisch verträglichen Wildbestandes bei. In den ausgedehnten Wäldern rund um Schneeberg, Rax und Hochschwab fühlt sich der scheue Luchs besonders wohl. In Österreich leidet die seltene Art besonders unter zerschnittenen Lebensräumen. Straßen und Infrastruktur verhindern, dass einzelne Luchse zur Fortpflanzung zueinander finden. Leider dezimieren auch Fälle von Wilderei die isolierten Populationen.

Luchse sind streng geschützt

Alle natürlichen Vorkommen des Luchses gehen vor allem auf Wiederansiedlungen in den 1970er und 1980er Jahren zurück. Letzte Freilassungen gab es zwischen 2011 und 2017 im Nationalpark Kalkalpen. Der letzte heimische Luchs wurde in Österreich 1918 im Bregenzerwald erlegt. In Westeuropa war damit der Eurasische Luchs weitgehend ausgerottet. Heute stehen die Bestände unter strengem Schutz. Die größte Gefahr für den Luchs in Mitteleuropa geht von der Zerschneidung der Lebensräume, illegaler Verfolgung sowie Straßen- und Bahnverkehr aus. In einer kürzlich erarbeiteten Situationsanalyse zum Luchs in Österreich befürchtet der Naturschutzbund, dass der Luchs ohne aktive Schutzmaßnahmen erneut auszusterben droht. 

Der scheue Einzelgänger jagt in der Nacht

Luchse sind Einzelgänger und jagen vor allem nachts. Die Größe seiner Reviere schwankt zwischen 50 und 400 Quadratkilometer und ist abhängig vom Nahrungsangebot und den landschaftlichen Gegebenheiten. Der Lebensraum muss genügend Deckung sowie Nahrung aufweisen. Luchse sind reine Fleischfresser und benötigen pro Tag rund 2 Kilo Nahrung. Rehe und Gämsen sind die hauptsächlichen Beutetiere der Luchse. Daneben zählen Hasen, Mäuse, Eichhörnchen, junge Wildschweine und weitere Kleinsäuger, aber auch Vögel und Fische zu seiner Beute.

Luchs im Schnee

Der Luchs meidet die menschliche Nähe und ist in ganz Europa akut gefährdet.

Für den Menschen unsichtbar

Der in Österreich vorkommende Eurasische Luchs erreicht eine Schulterhöhe von 50 bis 70 Zentimeter. Die Weibchen bringen rund 73 Tage nach der Paarung bis zu fünf Junge auf die Welt. Die Lebenserwartung von freilebenden Luchsen beträgt 10 bis 15 Jahre. Die scheuen Raubtiere verlassen sich bei der Jagd auf ihre perfekte Tarnung und führen auch sonst ein beinahe unsichtbares Leben. Für den Menschen stellen Luchse keine Gefahr dar. Sie halten sich vom Menschen lieber fern. Daher ist ein Luchs in freier Wildbahn kaum zu beobachten.

Jedes Tier hat seine eigene Zeichnung

Der Naturschutzbund forciert seit vielen Jahren gemeinsam mit weiteren Organisationen die Wiederansiedlung des Luchses. Um die Entwicklung der Population zu dokumentieren, ist ein aufwändiges Monitoring erforderlich. Ein Nachweis der Zahl der vorkommenden Tiere kann über die Fellzeichnung der Tiere erbracht werden. Jeder Luchs hat eine individuelle Zeichnung und kann anhand von Fotos zum Beispiel von Wildkameras identifiziert werden.

Download