Klettern im Naturland

Das Erklimmen luftiger Höhen ist eine physische und mentale Herausforderung. Klettern kann aber auch im Konflikt mit der Natur stehen.

Kletterer auf der Hohen Wand

Die Hohe Wand ist ein ideales Gebiet für eine Klettertour und gleichzeitig ein einzigartiges Naturparadies.

Felsformationen sind oft weitgehend unberührte Naturinseln und wichtige Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen. Felsbewohner sind Spezialisten, die mit den extremen Bedingungen gut zurechtkommen. Sie finden nur im Hochgebirge geeignete Lebensräume und sind daher oft bedroht. Vor allem sonnige Felsköpfe sind Standorte von seltenen Endemiten und Reliktarten, die nur im jeweiligen Gebiet zu finden sind.

Wunden heilen im Hochgebirge nur sehr langsam

Die besonders schutzwürdigen Kalkpionierrasen sind optimal an die hohen Temperaturen und die Trockenheit angepasst. Durch den kargen Untergrund wachsen sie nur sehr langsam. Eine Zerstörung der Pflanzendecke bedeutet den Verlust einzigartiger Vegetationsstandorte. In den Felswänden brüten Vögel wie Uhu, Wanderfalke, Dohle und Kolkrabe, aber auch Arten wie die Zippammer, der seltene Mauerläufer und die Felsenschwalbe sind hier zu finden. Auch die Mauereidechse legt hier ihre Eier ab.

Im alpinen Raum herrscht ein sensibles Gleichgewicht

Gerade die alpinen Zonen der Hochgebirge stehen in einem sensiblen Gleichgewicht, das durch menschliche Eingriffe leicht aus den Fugen geraten kann. Durch die witterungsbedingt kurze Vegetationsperiode schließen sich Wunden in der Pflanzendecke ungleich langsamer als im Tiefland. Skigebiete singen im Sommer davon ein trauriges Lied. Zwar beeinflussen Bergsteiger und Kletterer die Natur nicht so flächenintensiv wie Skipisten. Doch der Aufenthalt in entlegenen und unberührten Bereichen kann mitunter negative Auswirkungen für Pflanzen und Tiere haben. Im Zusammenhang mit dem Klettern kann es zu einer nachhaltigen Schädigung der Natur kommen.

Natur und Klettern sind kein Widerspruch

Ein falsch angelegter Parkplatz in einem Klettergebiet hat auf sensible Standorte gravierende Folgen. Im Zugangsbereich zu Kletterrouten können Fehler in der Wegführung und in der Anlage von Steigen zur Störung empfindlicher Biotope führen. Im Fels kann ein starker, ungeregelter Kletterbetrieb zu einer Verarmung von seltenen Pflanzengesellschaften führen. Die frei werdenden Lebensräume werden nicht selten von schnellwüchsigeren standortfremden Arten besiedelt. Der Schwerpunkt der Schädigungen von Pflanzen liegt vor allem im Bereich der Einstiege unterhalb der Felsen und an den Ausstiegen auf den Felsköpfen und Plateaus. Hier können geeignete Lenkungsmaßnahmen wie Umlenkhaken sowie markierte und befestigte Zustiege Abhilfe schaffen.

Rücksicht auf die Natur

In vielen Klettergebieten bestehen bereits abgestimmte und gut funktionierende Konzepte zum naturverträglichen Klettern. In erster Linie zählt jedoch die Eigenverantwortung der Erholungssuchenden. Schon bei der Planung einer Tour soll auch auf naturschutzfachliche Aspekte Rücksicht genommen werden. Umsichtiges Verhalten kann mithelfen, Schäden an unwiederbringlichen Naturschätzen zu vermeiden. Ratgeber von verschiedenen Alpinvereinen helfen mit, die nächste Klettertour nicht nur zu einem unvergesslichen Outdoor-Erlebnis zu machen, sondern auch naturverträglich zu gestalten. Der Verband alpiner Vereine in Österreich hat aus aktuellem Anlass Leitlinien zur Bergsportausübung in Zeiten des Coronavirus herausgegeben.

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