Kehrt der Steinkauz ins Mostviertel zurück?

Hinweise auf Reviere im östlichen Mostviertel geben Hoffnung auf eine Rückkehr des seltenen Eulenvogels.

Steinkauz

Der Steinkauz findet sich in Niederösterreich vor allem im Pulkautal, am Wagram und im Kremser Hügelland. Nun wurde er auch im östlichen Mostviertel nachgewiesen.

Der Steinkauz zählt zu den seltensten Brutvögeln in Niederösterreich. Schätzungen zufolge brüten derzeit nur mehr 50 Paare im Land, die meisten von ihnen im Pulkautal, am Wagram und im Kremser Hügelland. Nun gibt es vielversprechende Hinweise auf mehrere Reviere rund um Hürm, St. Leonhard und Kilb.

Rückkehr einer fast ausgestorbenen Art

Über die Hinweise auf neue Reviere im östlichen Mostviertel freut sich auch LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf: "Die Funde lassen hoffen, dass die Schutzmaßnahmen für den Steinkauz noch rechtzeitig gesetzt werden können und der früher weitverbreitete Vogel hier wieder eine Heimat findet. Das Schutzgebietsnetzwerk leistet seit fünf Jahren wertvolle Arbeit beim Schutz von einzigartigen Schutzgebieten im Naturland NÖ."

Der Steinkauz kommt in Niederösterreich nur noch in wenigen Gebieten mit ausreichendem Nahrungsangebot und Brutmöglichkeiten vor. Er ist im oberen Weinviertel, im Pulkautal, entlang des Wagrams, südlich der Donau zwischen Schwechat und Hainburg und in einer kleinen Teilpopulation im östlichen Mostviertel zu finden.

Nistkästen ersetzen natürliche Bruthöhlen

Als Höhlenbrüter braucht der kleine Eulenvogel alte, hochstämmige Mostobstbäume mit Höhlen oder alte Gebäude, die ihm als Brutplatz dienen. Weil er immer weniger natürliche Brutplätze vorfindet, wurden in den letzten Jahren in den Verbreitungsgebieten mardersichere Nistkästen angebracht. Zuletzt montierten Freiwillige des Vereins Lanius und der Steinkauz-Experte Frank Grinschgl im Februar weitere zehn Nistkästen im östlichen Mostviertel.

Der Vogel anwortet auf Pfeiftöne

Dabei stießen sie rund um Hürm, St. Leonhard und Kilb auf noch unbekannte Reviere von Steinkäuzen. Beim sogenannten "verhören" wird der Ruf des Steinkauzes mit einer Pfeife imitiert und festgestellt, ob ein Steinkauz antwortet. Die Nachweise im östlichen Mostviertel sind besonders erfreulich, weil bisher im Mostviertel nur von einer kleinen Restpopulation mit wenigen Brutpaaren ausgegangen wurde. Damit besteht Hoffnung,dass sich auch die Population im Mostviertel wieder stabilisieren lässt und sich erholen kann.

Nistkastenmontage

Nistkästen sollen den seltenen Steinkauz in Niederösterreich wieder heimisch machen. Die Kästen müssen regelmäßig gereinigt werden.

Auch der Lebensraum muss passen

Die Steinkäuze nehmen die künstlichen Nisthilfen sehr gut an. Rund zwei Drittel brüten ab April darin. Allerdings sind Bruthöhlen alleine nicht genug, auch der Lebensraum muss passen. So sind kurzrasig gemähte oder beweidete Streuobstwiesen für den Steinkauz besonders förderlich. Er nutzt zudem Mostobstbäume als Ansitz- und Rufwarten, auf denen auch die Paarung stattfindet.

Steinkäuze brauchen Unordnung

Ein gewisses Maß an Unordnung ist für den Steinkauz überlebenswichtig. Stadeln, Schuppen, Holzstöße und Gemäuer bieten dem Steinkauz und seinen Jungen Rückzugsorte und Bruthöhlen. Dort fühlen sich auch Mäuse wohl, die eine wichtige Nahrungsquelle für Steinkäuze sind. Mäuse- und Rattenköder sollten vermieden werden, da das Gift über die Beutetiere auch die Steinkäuze schädigt. Reduzierter Pestizideinsatz fördert Insekten, die ebenfalls eine wichtige Nahrung für den Steinkauz sind. Sparsamer Einsatz von Düngemitteln und regelmäßiges Mähen der Streuobstwiesen erleichtern dem Steinkauz zudem die Nahrungssuche.

Steinkauz-Paten pflegen und warten Nistkästen

Über 20 Freiwillige sind letztes Jahr dem Aufruf der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ gefolgt und haben eine Patenschaft für Steinkäuze übernommen. Ihre Aufgabe ist, die Nistkästen im Herbst von Verunreinigungen durch den Steinkauz selbst sowie vom Nistmaterial anderer Vögel zu säubern und auch sonst auf die Funktionstüchtigkeit der Kästen zu achten. Das Projekt ist Teil des Schutzgebietsnetzwerkes NÖ, das seit fünf Jahren gemeinsam mit NÖ Landesregierung an der Betreuung der Europaschutzgebiete, Naturschutzgebiete und flächigen Naturdenkmäler arbeitet.