Heimische Fledermäuse stellen keine Gefahr dar

Bei der Suche nach der Herkunft des Corona-Virus werden häufig Fledermäuse ins Spiel gebracht. Für heimische Arten gibt es keine Hinweise, dass sie mit Corona etwas zu tun haben.

Grosses Mausohr

Heimische Fledermäuse wie das Große Mausohr haben mit der Verbreitung von Corona nichts zu tun. Sie sind in ihrem Bestand akut gefährdet.

Weltweit gibt es rund 1.200 verschiedene Fledermäuse. Von den 28 in Österreich nachgewiesenen Arten kommen 25 in Niederösterreich vor. Die vom Aussterben bedrohten Tiere sind wichtige "Schädlingsbekämpfer" in der Landwirtschaft und im eigenen Garten. Trotzdem genießen sie keinen besonders guten Ruf und stehen sogar im Verdacht, für die Entstehung und Verbreitung des Corona-Virus verantwortlich zu sein. Zu Unrecht.

Keine Hinweise auf Übertragung von Corona

Für alle heimischen Fledermausarten gibt es derzeit keine Hinweise, dass sie mit dem Ursprung oder der Verbreitung von SARS-CoV2 etwas zu tun haben. Es geht von ihnen keine Gefahr aus. Ziehen Fledermäuse auf den Dachboden oder in Spalten am Haus, kommt es in der Regel zu keinem direkten Kontakt zwischen Mensch und Tier. Wer heimische Fledermäuse im Haus hat oder die kleinen Flatterer auf der Jagd nach Insekten beobachtet, muss sich keine Sorgen machen. Wer eine verletzte oder tote Fledermaus auf dem Boden findet, soll aber Handschuhe tragen oder ein schützendes Tuch verwenden.

Wildtiere können Krankheiten übertragen

Viele Krankheiten können von Wildtieren auf den Menschen übertragen werden. Zu solchen Zoonosen gehören zum Beispiel Schweinegrippe, Vogelgrippe, MERS, SARS oder SARS-CoV2, das die aktuelle Coronavirus-Pandemie verursacht. Bei einigen dieser Krankheiten spielen auch Fledermäuse eine Rolle, wobei eine direkte Übertragung unwahrscheinlich ist. Sie können aber über tierische Zwischenwirte auf den Menschen übertragen werden. Für SARS-CoV2 ist dieser Zwischenwirt noch nicht eindeutig bekannt.

Unhygienische Bedingungen fördern die Ausbreitung

Grundsätzlich sind Fledermäuse Träger vieler verschiedener Viren. Coronaviren kommen aber auch bei vielen anderen Arten vor, darunter Vögel, Hunde, Katzen oder Nutztiere und nicht zuletzt auch bei uns Menschen. So spielen bei harmlosen Erkältungen oft menschliche Coronaviren eine Rolle. In Europa ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Wildtiere äußerst gering. Im Unterschied dazu werden etwa in China auf Märkten verschiedenste lebende Wildtierarten unter heiklen hygienischen Bedingungen angeboten und gegessen. Solche Bedingungen begünstigen, dass Viren auf Tierarten übergehen können, die in der Natur nie in Berührung mit den Viren gekommen wären.

Effektives Immunsystem schützt Fledermäuse

Warum Fledermäuse ein natürliches Reservoir für viele Krankheitserreger sind, aber selbst nicht krank werden, beschäftigt derzeit noch die Forschung. Während Menschen und viele andere Säugetiere, die sich unter anderem mit Sars-CoV-2 infizieren, schwer erkranken und sterben können, scheinen Fledermäuse keine Krankheitssymptome zu zeigen. Studien deuten darauf hin, dass Fledermäuse ein ungewöhnlich effektives Immunsystem besitzen. Die starke Abwehr schützt die Tiere vor einer Infektion und sorgt gleichzeitig aber auch dafür, dass sich die Viren immer schneller anpassen und vermehren.

Kampf ums Überleben

Fledermäuse kämpfen auch ohne Corona-Virus ums Überleben. Ein achtsamer Umgang mit den vom Aussterben bedrohten Fledermäusen ist wichtig. Fledermäuse haben eine bedeutende Funktion als "Schädlingsbekämpfer" in der Landwirtschaft und im eigenen Garten. Als Samenverbreiter und Bestäuber in den Tropen sorgen sie dafür sorgen, dass wir Schokolade, Bananen, Mangos oder auch einen Tequila genießen können.