Feuchtwiesen schützen Klima und Natur

Eine neue Studie der Initiative „Mutter Erde“ zeigt ungenutztes Potenzial für den Klima- und Artenschutz auf.

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Das Herrngras bei Moosbrunn ist eine noch weitgehend natürlich erhaltene Feuchtwiese.

Die soeben fertig gestellte Studie „Wiederherstellung veränderter Ökosysteme zum Klima- und Artenschutz in Österreich“ zeigt, dass neben Mooren und Wäldern insbesondere Feuchtwiesen eine bislang unterschätzte Rolle bei der Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrise einnehmen.

Feuchtwiesen werden unterschätzt

Zentrale Frage der Studie ist, wie sich bei einer Revitalisierung von Lebensräumen der größte Effekt für Biodiversität und Klima erzielen lässt. Hoch- und Übergangsmoore können in ihren meterdicken Torfkörpern die größten CO2-Mengen binden. Danach folgen Niedermoore und Feuchtwiesen. Wälder speichern zwar oberirdisch mehr Kohlenstoff in Form von Holz, im Boden binden naturnahe Wiesen und Weiden allerdings mehr CO2.

1 Million Tonnen CO2 weniger in NÖ

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sank der Anteil von Wiesen und Weiden im östlichen Niederösterreich dramatisch. Durch Trockenlegung der Böden wurde der gebundene Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Stellt man bei 44 Prozent der zwischen 1857 bis 1979 entwässerten Flächen wieder auf die ursprüngliche Wasserversorgung und auf eine Humusaufbauende Landnutzung um, dann würden diese Böden als Kohlenstoffsenke jährlich rund 1 Million Tonnen CO2 einsparen.

Renaturierung als Schlüssel aus der Klimakrise

Für die AutorInnen der Studie vom VINCA-Institut und von GLOBAL 2000 ist die Wiederherstellung von Kohlenstoff speichernden Ökosystemen ein Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise. Auf nur 1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Österreichs ist eine Kompensation von 10 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der österreichischen Landwirtschaft möglich. Viele der Flächen können weiterhin genutzt werden. Eine extensive Bewirtschaftung trägt zum Erhalt der Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden bei. Die Rahmenbedingungen sollen so gestaltet werden, dass sich klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft für die österreichischen Bauern lohnt.

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Das Moor-Wiesenvögelchen zählt zu den typischen Arten einer Feuchtwiese.

Aufholbedarf bei Mooren und Feuchtwiesen

In der Studie wurde auch analysiert, ob die vor rund 10 Jahren erstellte Naturschutzstrategie für Niederösterreich eine Weichenstellung in die gewünschte Richtung war. Es zeigt sich, dass vor allem im Auenbereich zahlreiche positive Revitalisierungsmaßnahmen stattfanden, jedoch in den Bereichen Moore sowie extensive Wiesen und Weiden noch deutlicher Nachholbedarf besteht. Die Revitalisierung von intensiv genutzten Böden hat ein enormes Potenzial für den Schutz von Biodiversität und Klimaschutz und weitere positive Nebenwirkungen wie passiven Hochwasserschutz oder Verhinderung der Austrocknung der Landschaft.

Initiative MUTTER ERDE

Die Initiative MUTTER ERDE wurde 2014 vom ORF und den führenden Umwelt- und Naturschutzorganisationen Österreichs ins Leben gerufen. Sie wird vom Verein „Umweltinitiative Wir für die Welt“ getragen, das sind der ORF, Alpenverein, BirdLife, GLOBAL 2000, Greenpeace, Naturfreunde, Naturschutzbund, VCÖ und WWF. Gemeinsames Ziel ist es, Nachhaltigkeit zum Thema zu machen, zu informieren und Spenden für Umweltschutzprojekte zu sammeln. MUTTER ERDE wird von Tchibo, Kronen Zeitung, Lidl Österreich, der ÖBB und der Wien Energie unterstützt.