Ein Winter wie damals?

Der Klimawandel hat bei uns die Dauer der Jahreszeiten deutlich verändert.

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Winter mit Eis, Schnee und Frost werden bei uns immer seltener.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Winter bei uns kalt und frostig. Der Boden war meist gefroren und Schnee keine Seltenheit. Heute gibt es vermehrt warme Phasen, bei denen Schal und Haube im Schrank bleiben können. Die Winter sind in den vergangenen 30 Jahren wärmer und kürzer geworden.

Unsere Jahreszeiten verändern sich

Waren die vier Jahreszeiten früher noch annähernd gleich lang, dominiert inzwischen der Sommer mit Trockenheit und Hitze. Frühjahr, Herbst und Winter werden dagegen immer kürzer. Ein Trend, der dazu führen kann, dass im Jahr 2100 der Sommer ein halbes Jahr dauert. Die Folgen für Wetter, Natur und Mensch sind dramatisch.

Sommer könnte 2100 ein halbes Jahr dauern

Mit den verschobenen Klimazonen verlängert sich die Vegetationsperiode. Pflanzen treiben im Frühjahr früher aus und blühen bis weit in den Herbst hinein. Eine Studie chinesischer Forscher bestätigt diesen Trend. Dafür analysierten sie Daten aus dem Zeitraum von 1952 bis 2011 für die mittleren Breiten. Laut der Studie hat sich in dieser Zeit der Sommer von 78 auf 95 Tage verlängert. Pro Jahrzehnt sind das immerhin 4,2 Tage. Eine Vorhersage machen die Forschenden ebenfalls. Setzt sich der Klimawandel ungebremst fort, könnte der Sommer im Jahr 2100 durchschnittlich fast ein halbes Jahr lang dauern und der Winter nur noch weniger als zwei Monate.

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Insekten sind auf den Nektar von Pflanzen als Nahrung und Vorrat für ihre Brut angewiesen.

Verschobene Jahreszeiten haben fatale Folgen

Mit einem warmen Frühjahr steigt das Risiko für Frostschäden bei Bäumen und Büschen. Die Pflanzen treiben früher aus und sind vor überraschender Kälte schlechter geschützt. Besonders empfindlich sind Pflanzen, die in einer Höhe ab 1.100 Metern wachsen, wie zum Beispiel Lärchen. Viele Blüten werden im Frühjahr nicht bestäubt, weil die dafür zuständigen Insekten noch nicht geschlüpft sind. Auf der anderen Seite verhungern viele Nahrungsspezialisten, die auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen sind, weil ihre Nahrung noch nicht und nicht mehr zur Verfügung stehen.

Auch Tiere leiden unter dem Klimawandel

Zugvögel stehen vor dem Problem, dass sie bei ihrer Rückkehr aus dem Süden nicht die Nahrung finden, die sie brauchen. Tiere im Hochgebirge wie etwa der Schneehase, die im Winter ein weißes Fell bekommen, sind bei ausbleibendem Schnee eher gefährdet als geschützt, weil sie für Feinde besser sichtbar sind. Krankheitserreger und Schädlinge, die hier bislang nicht heimisch waren, können im milderen Klima überleben und sich ausbreiten.

Bienen sind besonders betroffen

Insekten sind auf den Nektar von Pflanzen als Nahrung und Vorrat für ihre Brut angewiesen. Durch die warmen Winter blühen Weiden, Hasel oder Krokusse früher. Zu diesem Zeitpunkt sind aber viele Bestäuber noch nicht unterwegs. Fliegen sie dann aus, ist es möglicherweise schon zu spät, weil viele Pflanzen bereits verblüht sind. Auf der anderen Seite bringt der vermeintliche Frühling Insekten dazu, ihre Winterquartiere zu früh zu verlassen und vergeblich nach Nahrung zu suchen. Dadurch vergeuden sie wertvolle Kraft und verkürzen so ihre Lebenszeit.

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Werden Igel aus dem Winterschlaf geweckt, kann das tödlich enden.

Kälte löst das Austreiben aus

Viele Pflanzen wie etwa Bäume brauchen Kälteimpulse, damit sie austreiben können. Temperaturen um Null Grad Celsius reichen als Startsignal für das Wachstum meist aus. Dauern die Frühlingstemperaturen nach frostigen Nächten über eine Woche an, erwachen die Pflanzen aus ihrer Winterruhe. Kommt dann der Frost zurück, kann es zu Frostschäden kommen.

Manche Wildtiere zählen zu den Gewinnern

Viele Säugetiere profitieren von den warmen Wintern. Da kein Schnee liegt und der Boden nicht gefroren ist, finden sie ausreichend Nahrung. Bei Wildtieren wie Wildschweinen oder Rehen kann das milde Wetter zu einem Anstieg der Population führen. Sie verschieben ihre Familienplanung nach vorne. Problematisch wird es für Frischling und Rehkitz allerdings, wenn es plötzlich wieder einen Kälteeinbruch gibt.

Winterschläfer bekommen Probleme

Für Tiere, die Winterschlaf halten, wie etwa Igel, Siebenschläfer und Fledermäuse, sind langanhaltende Wärmephasen schwieriger. Sie werden in ihrem Rhythmus gestört und können sogar aufwachen. Nicht selten sind Igel schon im Jänner unterwegs. Kommen die Tiere bei einem Frosteinbruch nicht schnell genug zurück ins Winterquartier oder sind die angelegten Vorräte für den Winter inzwischen aufgebraucht, können die Tiere verhungern oder erfrieren.