Bodenschutz-Vertrag gefordert

Der WWF Österreich will 2022 zum Jahr des Bodenschutzes ausrufen und fordert fünf Maßnahmen gegen den Flächenfraß.

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Der WWF fordert eine Senkung des Bodenverbrauches bis 2030 um mindestens 80 Prozent.

(12.01.2022/ MF) Der Verlust an Naturflächen treibt das Artensterben und die Klimakrise voran, schadet unserer Gesundheit und gefährdet die Ernährungssicherheit Österreichs. Der massive Flächenfraß ist eine der dringlichsten Umweltkrisen unserer Zeit.

Massiver Treiber des Artensterbens

Österreich verliert jeden Tag 11,5 Hektar wertvollen Grünraums. Nur rund sieben Prozent der Landschaften gelten als unberührt von menschlichen Eingriffen. Nur 14 Prozent der heimischen Flüsse sind ökologisch intakt und lediglich elf Prozent der Wälder sind naturnah. Laut Europäischer Umweltagentur weisen 83 Prozent der bewerteten Arten einen „mangelhaften“ bis „schlechten Zustand“ auf, womit Österreich nur auf dem vorletzten Platz von 28 untersuchten Ländern liegt. Zudem befinden sich 79 Prozent der bewerteten Lebensräume in mangelhaftem oder schlechtem Zustand. Hier landet Österreich mit Platz 18 nur im hinteren Mittelfeld.

Es fehlen konkrete Maßnahmen

Bei einem Gipfel zwischen Bund, Ländern und Gemeinden im Oktober 2021 war der Bodenschutz das Top-Thema. Doch konkrete Maßnahmen wurden keine gesetzt. Ein dringend nötiger Bodenschutz-Vertrag für ganz Österreich wurde für Herbst 2022 angekündigt. Der WWF fordert höchste Priorität für die Bekämpfung des massiven Bodenverbrauchs und will 2022 zum Jahr des Bodenschutzes machen. Gesunde Böden erfüllen viele entscheidende Aufgaben. Sie stellen Nahrung, Trinkwasser, saubere Luft und Lebensräume für Tiere und Pflanzen bereit, sie sorgen für Abkühlung, speichern CO2 und Nährstoffe und dienen nicht zuletzt als Erholungsraum und Rückzugsort für die Menschen.

Flächenfraß bis 2030 um 80 Prozent senken

Bereits vor knapp 20 Jahren hat sich die Bundesregierung ein Bodenverbrauchsziel gesetzt und es seither konsequent um ein Vielfaches überschritten. Der Bodenverbrauch ist in den letzten beiden Jahrzehnten rund dreimal so schnell gewachsen wie die Bevölkerung. Der geforderte Bodenschutz-Vertrag, der unter Leitung des Landwirtschaftsministeriums ausgearbeitet wird, muss spätestens im Herbst 2022 verbindlich von Bund, Ländern und Gemeinden unterzeichnet werden. Vor allem das im Oktober formulierte Versprechen, den Flächenfraß bis 2030 um mindestens 80 Prozent zu reduzieren, muss mit höchster Priorität umgesetzt werden.

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Straßen und Parkplätze etwa von Einkaufszentren sollen rückgebaut werden.

Fünf Maßnahmen gegen den Flächenfraß

  1. Bund, Länder und Gemeinden müssen den Bodenverbrauch bis 2030 verbindlich auf maximal einen Hektar pro Tag begrenzen. Die Bodenschutz-Strategie muss ein solches Ziel vertraglich verankern.
  2. Es braucht rasch eine bundesweite Leerstandsdatenbank und Förderungen zur Wiederverwertung und Modernisierung bereits verbauter Flächen. Mehr als 40.000 Hektar an verbauten Flächen, was in etwa der Fläche Wiens entspricht, stehen laut Schätzungen des Umweltbundesamtes leer.
  3. Die fortschreitende Zersiedelung treibt die hohe Bodenversiegelung zusätzlich an. Fixe Siedlungsgrenzen ohne Schlupflöcher zur Umwidmung auf der grünen Wiese sowie Förderungen für grüne, belebte Ortskerne und ausreichend Schutz für ökologisch besonders wertvolle Gebiete müssen gesetzlich festgeschrieben werden.
  4. Subventionen, die den Klima- und Biodiversitäts-Zielen entgegenwirken, müssen rasch abgebaut und ökologisch vernünftig investiert werden. Eine WIFO-Analyse der umweltschädlichen Subventionen ergab allein in den Bereichen Energie und Verkehr ein jährliches Volumen von 3,8 bis 4,7 Milliarden Euro.
  5. Überdimensionierte Straßen und ebenerdige Parkplätze von Gewerbeparks, Einkaufszentren und im öffentlichen Raum sollen rückgebaut und entsiegelt werden. Parallel dazu braucht es eine breite Naturschutz-Offensive und Investitionen in die Wiederherstellung degradierter Lebensräume, damit sich heimische Arten wieder besser entfalten können.