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Abendevent "Warum Erfolg auf Bäumen wächst"

Was hat Biodiversität mit Wirtschaft zu tun? „Sehr viel“ kann man unbestritten als Rückblick des Events am 16. Februar 2017 in der Wirtschaftskammer NÖ behaupten.

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„Unternehmerinnen und Unternehmer übernehmen in vielfacher Form Verantwortung – als Arbeitgeber, als Mitgestalter des örtlichen und regionalen Lebens und auch für die Umwelt. ‚Wirtschaft & Natur NÖ‘ zeigt vor, dass Natur und Wirtschaftsleben keine Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen können. Und darüber hinaus kann ökologischer Einsatz auch helfen, Kosten zu sparen, Kundinnen und Kunden neu zu gewinnen oder noch fester ans eigene Unternehmen zu binden durch gemeinsame Natur-Initiativen Unternehmer und Beschäftigte in den Betrieben noch stärker zusammenzuschweißen.“, mit diesen Worten eröffnete Josef Breiter, Vizepräsident der Wirtschaftskammer NÖ, gemeinsam mit Herbert Greisberger, eNu, den Abend.

Darufhin ging der deutsche Experte Julian Rode vom renommierten Helmholz-Zentrum für Umweltforschung in seinem einleitenden Vortrag auf die Win-Win-Situation für Unternehmen und für die Natur ein, die bei der Kooperation der Bereiche Wirtschaft und Naturschutz entsteht. Zahlreiche wissenschaftliche Studien, wie z.B. das Millenium System Assessment oder The Economics of Ecosystem and Biodiversity belegen, dass die Natur und ihre Ökosystemleistungen einen hohen Wert mit sich bringen, der in einigen Fällen auch monetär bewertet werden kann. Naturschutz kann für Unternehmen einen direkten Gewinn bringen (z.B. sauberes Wasser oder Schutz vor Naturkatastrophen), aber auch langfristig den finanziellen Erfolg von Unternehmen sichern (z.B. durch Steigerung der MitarbeiterInnenzufriedenheit und der Kundinnen- und Kundenbindung). Nicht nur der finanzielle Erfolg zählt, auch die ökologische und soziale Verantwortung von Betrieben sind wesentliche Argumente für die Berücksichtigung von Biodiversität im Einklang mit nachhaltigen Unternehmenszielen. „Die Win-win-Situation muss aktiv gesucht werden, seitens der Betriebe und der Naturschutzorganisationen“, sagt Rode abschließend.

Biodiversität für EinsteigerInnen

Im Anschluss präsentierte Jasmine Bachmann, Leiterin des LIFE-Projekts „Wirtschaft & Natur NÖ“, was in den vergangenen 2,5 Jahren in Niederösterreich passiert ist. Im Rahmen von Workshops wurde die Bedeutung von Natur und Biodiversität für unser wirtschaftliches Wohlergehen dargestellt, sind UnternehmerInnen und NaturschutzakteurInnen ins Gespräch gekommen und haben gemeinsam Möglichkeiten zu Kooperationen entwickelt. Entstanden ist unter anderem ein umfangreicher Angebotskatalog, in welchem Firmen ganz konkret über ihre Möglichkeiten für die Natur aktiv zu werden, informiert werden. „Die Betriebe mit dem Thema Biodiversität anzuspreche,n war eine Herausforderung. Wir haben viel dazu gelernt!“ berichtet Jasmine Bachmann.

„Keine Angst vor Biodiversität“

Wie es gelingt, Natur und Biodiversität in die Unternehmensführung zu integrieren, zeigten drei erfolgreiche UnternehmerInnen. Koloman Riedler von Riedler Kies & Bau bemüht sich seit Jahren, die abgebauten Flächen mit entsprechender ökologischer Renaturierung wieder der Natur zurückzugeben. „Mit den Kiesgruben werden extreme Standorte geschaffen, die von bedrohter Flora und Fauna wiederbesiedelt werden, wie z.B. der Gelbbauchunke oder dem Flussregenpfeifer“ erzählt Koloman Riedler. „Man braucht sich nicht vor Biodiversität zu fürchten“ lautet die Botschaft von Riedler.

Ein ebenso gutes Beispiel präsentierte Ernst Gugler, der mit viel Engagement und Herzblut sein Kommunikationshaus Gugler* zu einem Biodiversitäts-Kleinod entwickelt hat. Neben einer Vielzahl an Nachhaltigkeitsmaßnahmen werden mit begrüntem Dach, Insektenhotel, Biogemüsegarten für die Versorgung der MitarbeiterInnen, sowie gemeinsamen Pflegeeinsätzen mit dem Verein Lanius viele wichtige Schritte für den Erhalt der Biodiversität und gleichzeitig für die Zufriedenheit seiner MitarbeiterInnen und KundInnen gesetzt. „Die Biodiversitätsmaßnahmen kosten nicht viel Geld. Es geht nur darum, sie umzusetzen“, erzählt Gugler.

Isabella Hollerer, Leiterin Nachhaltigkeit bei der Gartencenterkette Bellaflora, schildert wie sich „die Grüne N°1“ mit einem nachhaltigen Kundenangebot etablieren konnte. Insgesamt führt Bellaflora 26 Filialen in Österreich und beschäftigt um die 500 MitarbeiterInnen (hauptsächlich Frauen). Eine Biolinie wurde eingeführt, samt Bioobstsortiment, Biodünger und Bioerde. Eine Kooperation mit dem Sortenerhaltungsverein Arche Noah ist entstanden. Es wurde auf Pestizide verzichtet und es wird zum Schutz der Moore eine torffreie Blumenerde angeboten. Auch die Lieferanten halten sich an den „bellaflora Standard“ und liefern ein nachhaltiges Sortiment. Bellaflora setzt auch auf die Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen. „Die MitarbeiterInnen sind das Wichtigste, denn sie tragen den Spirit an die Kunden weiter!“ so Hollerer. Wenn diese gut informiert und überzeugt sind, können sie den Nachhaltigkeitsaspekt mittragen und bei der Kundschaft viel bewirken.

„Man braucht Mut, den ersten Schritt zu setzen“

Welche Tipps gibt es für Betriebe, die jetzt ihren Beitrag zum Biodiversitätsschutz leisten möchten und nicht wissen, wie sie beginnen sollen? „Man braucht Mut, den ersten Schritt zu setzen und einen langen Atem um dranzubleiben“ lautet die Botschaft von Isabella Hollerer. Koloman Riedler setzt auf die Unterstützung von Spezialisten im Biodiversitätsbereich. Gugler empfiehlt, „in den Wald zu gehen und sich zu überlegen, was wäre, wenn es keine Biodiversität gäbe. Wenn man die Natur fühlt und erfährt, entsteht die innere Haltung. Wenn die innere Haltung da ist, macht sich der Rest von ganz alleine“, so Gugler abschließend.

Step by Step für mehr Biodiversität im Betrieb

„Bodenverbrauch, immer länger werdende Roten Listen, negative Trends bei Biodiversitätsindikatoren. Es ist Zeit, gemeinsame Wege zu finden, um den Biodiversitätsverlust anzuhalten. Die Zusammenarbeit mit Betrieben ist eine Chance für den Naturschutz“, sagt Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des Umweltdachverbands bei der anschließenden Podiumsdiskussion. „Es ist eine große Herausforderung, das Thema Biodiversität zu kommunizieren, weil es komplex ist, aber auch weil der Naturschutz negativ konnotiert ist und oft als ein Wachstumshemmnis dargestellt wird,“ so Proschek-Hauptmann.

Walter Seeböck, Präsident der Initiative für zukunftsfähiges Wirtschaften B.A.U.M., stellte als Beispiel die globalen Strategien von Unternehmen wie Unilever und Ikea vor, die das  Problem erkannt und Verantwortung übernommen haben:  Sie haben in ihrer  Lieferkette verbindlich und messbar die Produktion einiger für die Biodiversität wichtiger Rohstoffe wie Palmöl, Holz, Baumwolle oder Nahrungsmittel wie Fisch, Getreide  u.a.m. auf eine nachhaltige Produktionsweise umgestellt und versuchen, ihr hunderten Millionen Kunden weltweit auf eine nachhaltigere Lebensweise einzustellen. "Dies alles funktioniert nur langfristig und step by step. Die Kooperation mit Experten im Bereich der Nachhaltigkeit und mit Naturschutzorganisationen ist ein wesentlicher Beitrag“, hebt Seeböck hervor.
 

Die REWE International AG hat diese Chance ebenfalls erkannt und 2015 gemeinsam mit BirdLife Österreich die erste Stiftung zu Gunsten der Biodiversität in Österreich gegründet: Blühendes Österreich. „Pro verkauftem Produkt der regionalen Eigenmarken fließt ein Cent in die Initiative. Die Einnahmen kommen der heimischen Artenvielfalt zugute. Insbesondere setzt Blühendes Österreich auf Vertragsnaturschutz mit Produzenten und Lieferanten, die naturnäher wirtschaften müssen. Je wertvoller die Fläche für die Biodiversität, desto höher die Prämie“, sagt Ronald Würflinger, Geschäftsführer von Blühendes Österreich.

Auch bei der Wirtschaftskammer Niederösterreich wurden erfolgsversprechende Maßnahmen auf Ebene des Landes umgesetzt: Im Rahmen des LIFE-Projekts ist eine für Betriebe kostenlose Kurzberatung für ein naturnahes Firmengelände in der „ökologischen Betriebsberatung“ der Wirtschaftskammer NÖ entstanden. Die BeraterInnen der WKNÖ wurden geschult, um das Thema Biodiversität auch mit zu bewerben. Seit es diese Maßnahme gibt, wurden schon 28 Beratungen durchgeführt, was für das Interesse der Betriebe für dieses Thema spricht. „Durch diese Dauerförderschiene kann gewährleistet werden, dass die Themen Natur und Biodiversität weiter bei den Firmen kommuniziert werden und Bewusstsein geschaffen wird,“ so Christoph Pinter, Nachhaltigkeitsexperte der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

„Gemeinsam“, „Partnerschaft“ und „Verantwortung“ sind jene drei Schlüsselbegriffe, die diesen Wirtschaft & Natur Abend charakterisiert haben“, sagt Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes und Leiter des Bereichs Natur und Ressourcen bei der eNu, abschließend. Er bedankte sich bei den teilnehmenden Unternehmen, den Projektpartnern und dem Projektteam mit einem Zitat von J.F. Kennedy: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden.“ In diesem Sinn konnten sich inspirierte UnternehmerInnen und tatenwillige NaturschutzakteurInnen bei einem gemütlichen Ausklang mit regionalen Köstlichkeiten und musikalischer Untermalung von „Les Buckel Kombo“ noch bis in späte Stunden vernetzen.

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