50 Jahre Auenreservat Marchegg

Der Weg der Marchauen vom Eisernen Vorhang zum Grünen Band brachte zahlreiche ausgestorbene Arten zurück nach Österreich.

Marchauen

Die Marchauen sind seit 1970 Auenreservat und bieten Lebensraum für mehr als 500 in Österreich gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Das Auenreservat in Marchegg feierte Anfang Juni sein 50-jähriges Jubiläum. Als die Naturschutzorganisation WWF gemeinsam mit der Stadtgemeinde Marchegg das Gebiet im Jahr 1970 erwarb, war die March noch Teil des Eisernen Vorhangs. Heute ist das Areal ein Bilderbuch-Naturschutzgebiet im Herzen Europas und bietet Lebensraum für mehr als 500 in Österreich gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Erfolgsgeschichte im Naturschutz

Die Marchauen sind damit eine der großen Erfolgsgeschichten im österreichischen Naturschutz. Seit der Ausweisung als Naturschutzgebiet wurde die einst intensiv genutzte Landschaft Schritt für Schritt wieder aufgewertet. „Das Auenreservat Marchegg ist ein Juwel unseres Naturlands Niederösterreich. Wir geben geschützten Arten eine Heimat und bieten auch wertvolle Naherholungsräume für die Menschen. Gerade die Beweidung mit den seltenen Konik-Pferden ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür“, erzählt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. „Das Land Niederösterreich bemüht sich seit Jahren um die Renaturierung von ursprünglichen Augebieten und zeigt sich erfreut über die großartigen Erfolge, die in der Marchregion gemeinsam mit dem WWF erzielt werden konnten. Nicht zuletzt werden die Naturschauplätze des Marchfelds auch bei der kommenden Landesausstellung eine große Rolle spielen.“

Eröffnung 1970

Zur Eröffnung des Auenreservats reisten 1970 auch Prinz Bernhard der Niederlande und die spätere Königin Beatrix an.

Naturschutzprojekt von internationaler Bedeutung

Zur Eröffnung des Auenreservats reisten 1970 neben dem damaligen Bundespräsidenten Franz Jonas auch Prinz Bernhard der Niederlande und die spätere Königin Beatrix an. Die Marchauen zählen heute mit über 100 brütenden Vogelarten zu den artenreichsten Gebieten Mitteleuropas. Hier ist die größte baumbrütende Weißstorchkolonie Europas beheimatet, aber auch der lange ausgestorbene Seeadler begann erstmals im Auenreservat wieder zu brüten. Inzwischen gibt es bundesweit wieder 35 bis 40 Brutpaare des österreichischen Wappentiers.

Renaturierung der östlichen Grenze

Seit Anfang der 2000er Jahre rückte der Gewässerschutz in den Vordergrund. Die einst stark regulierte March sollte wieder natürlicher fließen können. Die Wiederanbindung des Flusses an seine Auen ermöglicht neue Lebensräume für zahlreiche Süßwasserarten. Jurrien Westerhof, Projektleiter für die March-Thaya-Auen beim WWF: „Die March mit ihren Auen ist heute eine der bedeutendsten Flusslandschaften Mitteleuropas. Sie ist der einzige naturnahe Tieflandfluss pannonischer Prägung Österreichs und bietet mit ihren angrenzenden Landschaften einen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, von denen einige hier ihre europaweit wichtigsten Vorkommen haben. Dazu zählen etwa Rotbauchunke, Donau-Kammmolch, Rot- und Schwarz-Milan, Seeadler, Europäische Sumpfschildkröte, Flussmuschel oder Urzeitkrebse.“

Konik-Pferde

2015 wurden erstmals Konik-Pferde für die Beweidung ins WWF-Auenreservat in Marchegg geholt.

Pferde als Landschaftsgestalter

2015 wurden erstmals Konik-Pferde ins WWF-Auenreservat in Marchegg geholt. Die naturnahe Beweidung mit dieser robusten, dem Wildpferd nahe verwandten Rasse, brachte schon in kurzer Zeit eine zusätzliche ökologische Aufwertung des Auenreservats. Die Vielfalt in der Landschaft hat massiv zugenommen und die Pferde schaffen neue Landschaftsstrukturen. Seltene Vögel kehren zurück und manche Insekten und Pflanzen wurden überhaupt zum ersten Mal nachgewiesen. Dieses gelungene Projekt kann als Vorbild für ähnliche Vorhaben im Insekten-, Vogel- und Landschaftsschutz dienen.

5 Jahre Schutzgebietsbetreuung NÖ

Im Vordergrund der Schutzgebietsbetreuung im Weinviertel steht die Beobachtung und Pflege der Europaschutzgebiete und der Naturschutzgebiete. In der ersten Phase der Schutzgebietsbetreuung waren die March-Thaya-Auen erster Handlungsschwerpunkt. In einer Bedarfsanalyse wurden bereits 2013 Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen für das gesamte Gebiet konkretisiert und eine fachliche Beratungs- und Betreuungstätigkeit in der Region aufgebaut. Gemeinsam mit den Vereinen Auring und March.Raum sowie mit Naturschutzexperten konnten seitdem zahlreiche Maßnahmen umgesetzt werden.